Selbstoptimierung war gestern – IKIGAI ist heute

von Patricia Holland Moritz mit Francesc Mirallesmit freundlicher Genehmigung von Resonanzboden, dem Blog der Ullstein Buchverlage.

Ein japanisches Sprichwort sagt: „Nur, wenn du aktiv bleibst, wirst du dir wünschen, hundert Jahre zu leben.“ Und beim ersten Mal las ich „attraktiv“ statt „aktiv“ und hätte das genauso unterschrieben.

Während sich der Okzident nun fleißig und geschäftstüchtig in Selbstoptimierung übt, kommt aus dem Orient ein Ding namens Ikigai als Schlüssel zum gesunden und damit möglichst langen Leben in Aktivität und Attraktivität. Und das ganz ohne Schnickschnack; es verlangt weder einen aufwendigen Ernährungsplan, noch schlauchende Trainingseinheiten oder teure Fitnessutensilien. Das Ikigai ist bereits das Utensil, ist die Smartwatch des bewusst lebenden Menschen. „Die Kunst zu altern und dennoch jung zu bleiben“ ist eine Eigenschaft des Ikigai, und jeder trägt sie bei sich, aber nur wenige sind sich der eigenen Kunstfertigkeit bewusst.

Spiritualität ist im Alltag angekommen

Obwohl es schon bemerkenswert ist, in welchem Maße spirituelle Themen Einzug in unsere rationale Gesellschaft gehalten haben: Nahezu jeder von uns kennt jemanden, der im Yoga oder Tai Chi Erholung von der 40-Stunden-Woche findet; sich vegan oder paleo ernährt; bei Beziehungsproblemen einem Coach vertraut und eine Meditation mit einem angesagten tibetischen Lama jeder Party vorzieht. Was sich vor noch nicht allzu langer Zeit „Esoterik“ nannte und wie Post vom Finanzamt so lange wie möglich ignoriert und dann kritisch begutachtet wurde, kann sich nun unter dem Begriff einer neuen Spiritualität zunehmender Sympathiepunkte erfreuen. Und nicht nur das: In Zeiten abnehmender politischer, religiöser und sozialer Werte hat der Mensch nur noch einen verlässlichen Partner, nämlich sich selbst. ‚Wer bin ich?‘ wird schon lange nicht mehr mit ‚Und wenn ja, wie viele?‘ beantwortet, sondern ist zu einer existentiellen Frage geworden.

Ein seismographisches Gespür für diese Entwicklung zeigen die Romane von Francesc Miralles. Schon lange interessiert sich der Autor für die Verbindung von Psychologie und Spiritualität. In Miralles` Romane kann man sich geradezu hineinfallen lassen, und sein Faible für Japan bringt er in „Das unvollkommene Leben oder Wie das Glück zu Samuel fand“ mit großer Poesie zum Ausdruck. Sein neuestes Buch – „Ikigai – Gesund und glücklich hundert werden“ – ist das erste Sachbuch des Romanautors, er hat es gemeinsam mit dem Computerspezialisten und Blogger Héctor García (Kirai) verfasst.

Héctor García lebt in Tokio. Von dort – der 13 Millionen-Metropole, die dem Rest der Welt immer einen Schritt voraus ist und dennoch wie ein schlafender Riese in sich zu ruhen scheint – zogen die beiden aus, um auf Okinawa das Geheimnis der Hundertjährigen zu erforschen, von denen es dort weltweit die meisten gibt.

Die Regeln des Ikigai

Was ist es, dieses Ikigai, das die Bewohner angeblich so alt werden lässt? Steht es für die Qualität der Nahrung, der Luft, des Wassers, der Sonneneinstrahlung, oder hat es gar einen mystischen Hintergrund?

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Die Autoren Francesc Miralles (li.) und Héctor García in einem Altersheim auf Okinawa.

Das Ikigai ist schnell beschrieben: Es ist das, wofür man lebt, es ist der Grund, morgens aufzustehen. Es ist kein abgezahltes Haus und auch nicht der gerade zurückliegende Urlaub. Es ist keine aktuelle Liebschaft, die sich morgen wieder erledigt haben kann. Ein Ikigai ist mehr, es ist nachhaltig und es war schon immer da, oft verschüttet von Verhaltensmustern, die unsereins sich schneller angewöhnt als diese zehn einfachen Regeln:

  1. Bleiben Sie zeitlebens aktiv, setzen Sie sich nie zur Ruhe.
  2. Bewahren Sie die Ruhe.
  3. Essen Sie sich nicht satt.
  4. Umgeben Sie sich mit guten Freunden.
  5. Halten Sie sich fit für Ihren nächsten Geburtstag.
  6. Lächeln Sie.
  7. Nehmen Sie wieder Kontakt zur Natur auf.
  8. Bedanken Sie sich.
  9. Leben Sie den Augenblick.
  10. Folgen Sie Ihrem Ikigai.*

Wie nun seinem Ikigai folgen, wenn man zwar weiß, was es ist, aber nicht, ob man selbst eines hat? Eine Umfrage im Verlag und unter Lesern zeigte die Vielschichtigkeit des Ikigai – der Verlass auf die Familie, die Neugier auf jeden Tag, die Freiheit im Wochenendhaus, die immer wieder neue Verliebtheit in den eigenen Partner, oder – wie in meinem Falle – ich selbst und damit das gute Gefühl bei jeder getroffenen Entscheidung. Das Ikigai wechselt nicht mit dem Umfeld und ist unabhängig von der eigenen Tagesform. Es geht auch nicht verloren, wenn einem bei einer Trennung oder Pleite die Freundin oder das Vermögen abhanden kommen. Das Ikigai lässt uns jeden Lebensumstand bewusst erleben und auch den Ausweg aus einer ausweglos scheinenden Lage erkennen.

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Ikigai gegen Stress

Und wo liegt der Zusammenhang zwischen Ikigai und langem Leben? Im Stress und wie Ikigai ihn vermeidet.

Stress steht einem langen Leben vermutlich entgegen, und viele Menschen wirken aufgrund von Stress viel älter, als sie tatsächlich sind. Stress setzt degenerative Prozesse im Körper frei, darunter leidet die – eingangs genannte, altersunabhängige – Attraktivität. Was dem Höhlenmenschen die reale Gefahr eines Raubtiers war, ist dem heutigen Menschen das Klingeln des Handys. In der realen Gefahrensituation schüttete der Körper des Höhlenmenschen eine erhöhte Menge an Cortisol zu seinem Schutze aus. Den heutigen Menschen durchströmen permanent kleinere Cortisolmengen.

Viele Menschen hierzulande fühlen sich der japanischen Kultur näher als ihrer eigenen. In Japan sind weder die Teller voll belegt noch die Wohnungen vollgestellt. Minimalismus zieht sich durch jeden Lebensbereich bis hin zur Mode. Das Auge, der Magen, das Äußere, das Umfeld wird von Ballast freigehalten. Nur was im Fokus steht, ist wichtig. Die vielfach belächelte Regelhörigkeit der Deutschen, ihre Disziplin bis hin zur Selbstaufgabe entpuppt sich schnell als Mär. Wir Deutschen sind groß im Verfassen von Regeln, doch im selben Zuge gilt es als hip, sie zu brechen. In Tokio geht  man nicht bei Rot über die Straße. Und dieses Verhalten gilt auch bei einer leeren Kreuzung nicht als lächerlich. Regeln zu befolgen bedeutet, ich muss mich in diesem Moment um rein gar nichts kümmern, auch nicht darum, ob nicht doch ein Auto um die Ecke prescht oder ein Polizist in der Nähe ist. Ich kann hier stehen und warten und ganz bei mir sein, bis die Ampel auf Grün schaltet. Kleine Fluchten im Alltag, bewusstes Annehmen einer Situation, keinerlei Ablenkung durch die Möglichkeit anderer Möglichkeiten, Aufgeräumtheit statt Chaos machen es aus, das kleine gute Gefühl im Alltag und vermeiden ihn, den kleinen alltäglichen Stress.

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Freude an Hachikō, dem Inbegriff von Treue: Der Hund saß noch 10 Jahre nach dem Tod seines Herrchens, einem Universitätsprofessor, am Bahnhof Shibuya und wartete auf dessen Rückkehr.      Foto Tokio 2016 © Patricia Holland Moritz

Dem Ikigai näherkommen

Das Geheimnis jener zu lüften, denen ein langes und ganz offensichtlich glückliches Leben gegönnt ist, war den Autoren Ansporn für ihr Buch. Was kann es für uns alle Spannenderes geben, als das Rezept für ein langes Leben? Mit ihrer Vermutung, damit eine der größten Sehnsüchte des Menschen zu berühren, lagen die Autoren richtig: Ihr Buch „Ikigai“ wurde  unmittelbar nach seinem Erscheinen in Spanien ein großer Erfolg und binnen kurzer Zeit in 30 weitere Länder verkauft. Allein in den Niederlanden gab es im ersten Monat nach dem Erscheinen fünf Auflagen davon. Mittlerweile geht Autor Francesc Miralles mit einem Ikigai-Workshop europaweit auf Lesereise und berichtet von einem überwältigenden Interesse der Menschen. Das eigene Leben mit einem Sinn  und mehr Energie auszustatten, scheint eines der größten Ziele in diesem bewegten Zeiten zu sein. Mit Übungen und in Gesprächen über alles, was sie in ihrem Innersten bewegt, bringt Francesc Miralles jeden Teilnehmer auf die Spur zu dessen Ikigai und damit zu einer einzigartigen Erfahrung.

Sollten Sie nun noch immer nicht wissen, was Ihr Ikigai ist, dann sind das Lesen dieses Artikels und Ihr Nachdenken darüber schon die ersten Vorboten dafür, dass es nicht mehr lange dauern wird und auch Sie ihn haben, den wirklichen Grund, morgens aufzustehen.

Francesc Miralles & Héctor García „Ikigai – Gesund und glücklich hundert werden“. Allegria 10.3. 2017. 224 Seiten. 17,00€. ISBN 978-3-7934-2317-1

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*aus: Francesc Miralles / Héctor García (Kirai): IKIGAI Gesund und glücklich hundert werden, S. 218ff „Zehn Ikigai-Regeln“

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Jung und Alt am Sonntag im Ueno Park. Foto: Tokio 2016 © Patricia Holland Moritz

Februar 2016. 4°Celsius. Barfuß in Detmold.

Der Fuß, das weit entfernte Wesen

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Per pedis ist nicht mehr. Wir bewegen uns per calceus. Schon die Einladungen zu Geburtstagen meiner Klassenkameraden sagten damals alles. „Gute Laune und Hausschuhe sind mitzubringen!“

Ich hatte eine Bettschuhe häkelnde Großmutter und eine Mutter mit gefühlten 150 Paar Schuhen, die sich abends die Füße rieb und die Bemühtheit deutscher Frauen in Sachen Mode als „Flachschuh-Eleganz“ abtat. Ich habe gelernt, dass es statt der hässlichen moorgrünen auch bunte Gummistiefel gibt und meine geliebten Sandalen für Waldspaziergänge eher ungeeignet sind. Ich habe gelernt, dass zum guten Aussehen auch geputzte Schuhe gehören und man auch bei einem Mann zuerst aufs Schuhwerk schauen sollte.

Schuhe haben auch mich domestiziert. Und im besten Falle haben sie uns alle sogar kultiviert. 15000 Jahre alte Höhlenzeichnungen zeigen Menschen, die ihre Füße zum Schutz vor Kälte oder steinigem Grund mit Blättern umwickelten. Heute verpacke ich die 26 Knochen, 27 Gelenke, 32 Muskeln und Sehnen, 107 Bänder und 1700 Nervenenden je nach Kontostand in eine Deichmann- oder Weitzman-Kreation. Und statt verheißungsvoller Telefonnummern bringe ich von Partys nun Visitenkarten renommierter Orthopäden mit.

Unsere Füße sind architektonische Wunder aus Gewölbe und Spann. Und es sind Wesen aus tausend ungenutzten Nervenenden, die permanent ruhen, weil ihnen besonders wertvolle orthopädische Einlagen die Arbeit abnehmen. Doch damit lebte ich bisher ganz gut, denn auch ich verschwendete nur wenige Gedanken an die von mir am weitesten entfernten Gliedmaßen: meine Füße. Und dann kam Sabrina Fox. Zu Fuß. Genauer gesagt barfuß. Ein Jahr lang barfuß zu laufen und darüber ein Buch zu schreiben hat unsere Autorin nicht nur realisiert, sondern sie bleibt nun auch dabei. Sie läuft barfuß. Sommers und winters. Drinnen und draußen.

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Als wir uns für Mitte Februar zu ihrer Buchpräsentation in der nordrheinwestfälischen Metropole Detmold verabredeten, plante ich für genau diesen Ort und Anlass mein persönliches Erweckungserlebnis in Sachen Barfußlaufen. Schon im Zug mäanderte mein Blick den Gang auf und ab und an den Leuten herunter. Turnschuhe, Kinderfüße in Strumpfhosen, Rollkoffer, Pelzstiefel. Laufend, rollend, stolpernd, tippelnd. Ich war völlig fußfixiert und behielt meine Schuhe nur widerwillig an. Mein erster Schritt aus der Bein- in die Fußfreiheit sollte schließlich ein „Betreutes Gehen“ sein. Unter der Anleitung einer erfahrenen Barfüßerin.

Sabrina Fox war aus München eingeflogen und hatte natürlich in der Sicherheitskontrolle am Flughafen die ihr vertraute Frage gehört, ob sie nicht etwas vergessen hätte… vielleicht ihre Schuhe in der Plastikwanne? Doch da lagen keine Schuhe in der Plastikwanne.

Der Flughafen in München habe den angenehmsten Boden aller Flughäfen, auf denen sie jemals gelaufen ist, sagt Sabrina Fox. Eine Beobachtung, die mich vermuten lässt, dass einem das Barfußgehen ganz neue Erlebniswelten eröffnet. Eine davon hielt mich bisher noch vom Barfußgehen ab: die Erlebniswelt der Blicke auf der Buchmesse, zur Programmkonferenz, an der Rewe-Kasse oder beim romantischen Dinner zu zweit. Davor graut mir mehr als vor einer Blasenentzündung.

Und damit sind die beiden Contras zum Barfußgehen beim Namen genannt. Scham und Krankheit. Das erste vergehe, sagt Sabrina Fox. Das zweite sei ein Ammenmärchen.

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Dass sich Sabrina Fox keine Gedanken darüber macht, ob sie komisch angeschaut wird, merke ich ihr sofort an. Bei ihrer Attraktivität und dem offenen Lachen schaut man ihr sowieso zuerst ins Gesicht. Und dann auf ihre stilsichere Kleidung, deren Eleganz mit den gepflegten Füßen in Symbiose geht.

„Meine Füße wasche ich mir genauso häufig wie meine Hände.“

Hornhaut? Keine Spur. Die kennen  nur wir Schuhträger. Schweißfuß? Nie. Wie auch? Dafür fehlt das Kunstleder, in das die meisten Füße verpackt werden und aus dem es für den Schweiß kein Entrinnen gibt. Also, dachte ich, ran an das Thema und ausprobiert. Ich zog meine Schuhe aus und ging mit Sabrina Fox in Detmold spazieren. Einmal um den Schlossteich Richtung Buchhandlung, in der die abendliche Lesung vorbereitet  wurde. Es war Mitte Februar, 4°Celsius, die Luft feucht wie der Boden im Park nass. Das Erlebnis seltsamer Blicke blieb mir erspart, weil der Detmolder wie jeder vernünftige Mensch den Freitagabend bei solchen Temperaturen wohl lieber im Warmen verbringt. Und das war gut so. Denn mein Laufstil kam mir alles andere als beifallswürdig vor. Barfuß gehen bedeutet auch Laufen lernen. Knallt im Schuh zuerst die Ferse auf den Asphalt (und jagt damit bei jedem Schritt ein Dröhnen durch den Körper wie der Nachbar, der im Plattenbau Bilder an die Wand dübelt), setzt beim Barfußgehen der Ballen zuerst auf, sanft und leise. Das war der erste Gefallen, den ich meinem Körper damit tat. Doch bevor mir das Glücksgefühl zu Kopf stieg, musste ich noch die Frage mit der Blasenentzündung klären.

„Wie fühlen sich deine Füße an?“, war Sabrinas Gegenfrage.

„Warm. Ich bewege sie ja.“

„Na also. Wie also gedenkst du, eine Blasenentzündung zu bekommen?“

Seit sie barfuß läuft, hat Sabrina keine derartige Entzündung, Unterkühlung, geschweige denn kalte Füße gehabt. Meine wurden allmählich taub. Ich lief bereits seit einer knappen Stunde barfuß durch Detmold, und das hätte so weitergehen können. „Dann ist das jetzt der Schlusspunkt für deine erste Tour. Deine Füße werden taub, weil sie die Temperatur noch nicht gewöhnt sind und dir dein Körper so das Zeichen gibt, aufzuhören. Beim nächsten Mal mehr.“ Der schlammige Boden fühlte sich an wie Seidenkissen. Und auf dem Rückweg über den Zebrastreifen spürte ich schon keines der Steinchen mehr, die mich anfangs wie ein gichtgeplagtes Kaninchen hatten hoppeln lassen. Ich lief im aufrechten Gang wie schon lange nicht mehr, und selbst die Arthrose in meinen Knien stellte aus Ehrfurcht das Knirschen ein. Geschmeidig glitt ich zurück durch die Tür, nahm statt des Fahrstuhls die warmen, glatten Stufen in wenigen Schritten und ließ mich im Hotelzimmer auf einen Sessel fallen – saubere Füße in die Luft haltend. Ich konnte das eben Erlebte nicht glauben, obwohl es in seiner Einfachheit nicht zu überbieten war. Was hatte ich gemacht? Die Schuhe weggelassen. Und mir eine neue kleine Welt erobert. Wenn auch nur kurz, denn mir ist zwar keine Klamotte zu riskant, aber der Mut zum Barfußgehen fehlt mir noch. Jeder Barfüßler auf der Straße wird schräger angeschaut als eine Kleidersünde auf dem Bundespresseball.

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Sabrina Fox spricht von einem neuen Sinnesorgan, das sie mit dem Barfußgehen entdeckt hat. Seit Detmold klingt das für mich nach einem Versprechen…

(Artikel erschien vorab am 6. April 2016 auf Resonanzboden, dem Blog der Ullstein Buchverlage)

„A socialist utopia masquerading as a bookstore“ – Happy Birthday Shakespeare & Company, Paris (article in English)

A socialist utopia masquerading as a bookstore“ – Happy Birthday Shakespeare & Company, Paris

November 17th, 1919: Sylvia Beach opens Shakespeare and Company . First established as a lending library as well as a bookstore, it then moved it to a larger location at 12 rue de l’Odéon, where it remained until 1940.

During this period, the store was the center of Anglo-American literary culture and modernism in Paris. Writers and artists of the „Lost Generation,“ such as Ernest HemingwayEzra PoundF. Scott FitzgeraldGertrude Stein and Man Ray spent a great deal of time there, and it was nicknamed „Stratford-on-Odéon“ by James Joyce, who used it as his office.

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Its books were considered high quality and reflected Beach’s own taste. The store and its literary denizens are mentioned in Hemingway’s A Moveable Feast. Patrons could buy or borrow books like D. H. Lawrence’s controversial Lady Chatterley’s Lover, which had been banned in Britain and the United States.

Beach published Joyce’s book Ulysses in 1922. It, too, was banned in the United States and Britain. Later editions were also published under the Shakespeare and Company imprint.

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The original Shakespeare and Company closed on 14 June 1940, during the German occupation of France in World War II. It has been suggested that it may have been ordered shut because Beach denied a German officer the last copy of Joyce’s Finnegans Wake. When the war ended, Hemingway „personally liberated“ the store, but it never re-opened

In 1951, another English-language bookstore was opened on Paris’s Left Bank by American ex-serviceman George Whitman, under the name of Le Mistral.

George Whitman by Shakespeare and Company

https://shakespeareandcompany.com/35/history/37/about-george-whitman

Its premises, the site of a 16th-century monastery  are at 37 rue de la Bûcherie, near Place Saint-Michel, just steps from the Seine, Notre Dame and the Île de la Cité.

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Much like Shakespeare and Company, the store became the focal point of literary culture in bohemian Paris, and was frequented by many Beat Generation writers including Allen Ginsberg and William S. Burroughs.

Whitman modeled his shop after Sylvia Beach’s and, in 1958 while dining with George, she publicly announced that she was handing the name to him for his bookshop.

In 1964, after Sylvia Beach’s death, Whitman renamed his store „Shakespeare and Company“ in tribute to the original, describing the name as „a novel in three words“. He called the venture „a socialist utopia masquerading as a bookstore“. Customers have included the likes of Henry Miller and Anaïs Nin. The bookstore has sleeping facilities and Whitman claimed that as many as 40,000 people have slept there over the years.

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The bookstore was a sanctuary for some twenty of its customers during the November 2015 Paris attacks.

Since George Whitman´s death in 2011, his daughter – Sylvia Whitman – is the proprietor of Shakespeare and company. ( Read more in Vanity Fair http://bit.ly/1HWOuJz )

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„Shakespeare’s greatest asset in the age of Amazon: Whitman’s daughter, Sylvia“

George Whitman and daughter Sylvia in front of Shakespeare and Company, circa 1985. Inset, Sylvia, now 33, outside the 63-year-old shop, 2014., Large photograph by Deborah Hayden.

Happy Birthday to one of the most inspiring places in Paris and the literary world… phm, Nov 17th, 2015.

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Photo credits:

  • Joyce with Sylvia Beach and Adrienne Monnier at Shakespeare and Company ©Estate Gisele Freund/IMEC Images
  • Memorial plaque at 12, Rue de l’Odeon Paris, France (where Sylvia Beach’s bookstore „Shakespeare & Company“ was located) © AndreasPraefcke
  • insight view © Shakespeare and Company
  • shakespeare’s company © Patricia Holland Moritz / phm.2013
  • LITERARY ESTATE: George Whitman and daughter Sylvia in front of Shakespeare and Company, circa 1985. Inset, Sylvia, now 33, outside the 63-year-old shop, 2014., Large photograph by Deborah Hayden / © vanity fair

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Text credits

  • interestingliterature.com
  • Wikipedia.com
  • shakespeareandcompany.com

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Address:

Shakespeare and Company

37 Rue de la Bûcherie, 75005 Paris, Frankreich
+33 1 43 25 40 93

https://shakespeareandcompany.com/

 

 

South Africa – Timbavati Part 4: The Article

The Lions Sleep tonight? Not true… Mein Artikel aus Timbavati, S.A., dem Land der Weißen Löwen…

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Meine Reise ins „Homeland“ der Weißen Löwen war eines jener „Eines-Tages-werde-ich“-Projekte, von denen wohl jeder von uns eine ganze Liste besitzt:

  • Eines Tages werde ich das Buch schreiben, das in mir ruht.
  • Eines Tages werde ich mein Leben archivieren – oder zumindest die Erinnerungen aus Tagebüchern, Briefen und Fotos, die als großes Durcheinander auf dem Dachboden verstauben.
  • Eines Tages werde ich mich wieder mit meiner ehemals besten Freundin versöhnen, die mir vor Jahren abhanden gekommen ist.
  • Eines Tages werde ich versuchen, meine erste große Liebe im Internet ausfindig zu machen.

Und dann ist plötzlich die Zeit vorüber.

Ich werde nie die letzten Worte meiner Mutter vergessen, als sie viel zu jung, im Sterben lag: „Aber ich wollte doch noch…“ Und was dann kam, war etwas ganz Alltägliches, keine Weltreise, kein Umzug, nichts dergleichen. Sie hätte so gern noch alles in Ordnung gebracht. Ihre Fotos zum Beispiel sortiert… Das Unglaubliche für mich an dieser schmerzhaften Erfahrung war, dass sie mich am Ende motivierte. Ich begann aufzuräumen. In meinem Leben, in meinem Freundeskreis, im Stapel angedachter Projekte. Ich veröffentlichte mein erstes Buch, zog vom Land in die Stadt und begann, alte Freundschaften neu zu pflegen und wieder auf meine vielgeliebten Reisen zu gehen.

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Linda Tucker war ich 2010 auf ihrer Lesereise für den Allegria Verlag begegnet. Gerade hatten wir ihr Buch „Die Löwenfrau – Das Geheimnis der Weißen Löwen“ veröffentlicht, und mir war sehr schnell klar, dass es hier sehr viel mehr als diese Neuerscheinung auf einem übersättigten Buchmarkt zu promoten gab: ein Projekt namens Global White Lions Protection Trust.

Ein Blick zurück: Linda Tuckers Welt war in den 80er/90er Jahren nicht ihre Heimat Südafrika. Sie jettete als Model und Marketing-Agentin durch die Mode-Metropolen der Welt. Mit Freunden bereiste sie eines Tages ihre alte Heimat Südafrika und unternahm mit ihnen eine Jeep-Tour durch den Busch von Timbavati, durch jene afrikanische Wildnis, die sie als Kind so geliebt hatte.

Alles andere als entsprechend ausgerüstet, blieb die Clique mit ihrem Gefährt auf einem Baumstumpf stecken. Es ging weder vor noch zurück. Und die Sonne sank in Minutenschnelle.

Von den so genannten „Big Five“ in Afrika (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe, Leopard) gehen am liebsten die Löwen mit Beginn der Finsternis auf Jagd. Bald hatte ein Löwenrudel vom Jeep und seinen anfangs noch scherzenden Insassen Witterung aufgenommen. Lautlos schlichen sie sich heran und umzingelten das offene Fahrzeug, ihre Beute genüsslich beobachtend, „like in an open butcher shop“, wie Linda es später so treffend beschrieb. Als auch die Autobatterie und damit die Scheinwerfer ihren Geist allmählich aufgaben, brach Panik aus.

Wie aus dem Nichts tauchte in der Finsternis plötzlich eine alte Frau auf, in traditionellem Gewand und barfuß, die ein Baby auf dem Rücken trug. Sie lief in aller Ruhe an den Löwen vorbei, die sie ohne einen Laut passieren ließen.  Wie selbstverständlich kletterte sie hinauf auf den Jeep und nahm dort Platz inmitten der vor Schreck erstarrten Gruppe.

Maria Khosa, wie Linda heute weiß, ist eine Medizinfrau, die dort lebte und auf ihrem abendlichen Heimweg durch die Finsternis des Busches war. Sie ermutigte einen von Lindas Freunden, in aller Ruhe abzusteigen, zum Camp zu gehen und Hilfe zu holen, während sie selbst bei den anderen bliebe. Die Löwen ließen auch ihn ohne ein Murren passieren…

Dieses Erlebnis war Lindas Initialzündung, ihr Leben in der Glamourwelt aufzugeben, sich in die Hände dieser so weisen Frau zu begeben und der Kommunikation mit der Natur – die später in ihrem Tierschutzprojekt mündete – zu widmen.

Heute ist Linda Tucker CEO der Non-Profit-Organisation Global White Lions Protection Trust mit Sitz in Timbavati, einem Teil des weltbekannten Kruger National Parks in Südafrika. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf dem Verbot des so genannten „Canned Hunting“. Hier werden Weiße Löwen  übrigens eine eigenständige Rasse und nicht, wie oft behauptet, „eine Laune der Natur“ – auf engstem Raum gezüchtet, noch vor ihrer eigentlichen Fruchtbarkeit zusammengepfercht, um durch Inzucht wieder neue Löwengenerationen zu produzieren. Touristen kommen in die Parks und können gegen Eintrittsgeld Löwenbabys streicheln und herumtragen. Werden die Jungen größer, werden so genannte „Lion-Walks“ angeboten: Man geht mit einem Löwen an der Seite spazieren, wie mit einem Hund und führt ihn am Schwanz wie an der Leine. Sind die Löwen dann auch dafür zu groß, geht´s an die „Jagd“. Die „Kunden“ dieses zweifelhaften Sports kommen vorrangig aus den USA, aus China und aus Europa.  Die Löwen werden auf ein eingezäuntes Terrain entlassen und vom fahrenden, offenen Jeep herab erschossen. Die Trophäe (ganzer Löwe, Kopf oder Pfoten) werden komplett verzollt bis nach Hause geliefert.

In meinen Gesprächen mit Linda versuche ich zu ergründen, ob es die Jagd an sich ist, die sie verabscheut, die aber doch eine so lange Tradition, nicht nur in der afrikanischen Kultur hat. Das Jagen hat die ersten Menschen ernährt – und ist noch heute vielerorts ein wichtiger Teil gemeinsamen, tief verwurzelten kulturellen Erbes der Völker. Und ich vermute richtig: Linda scheut nicht den Dialog mit den Jägern. Sie erkennt deren Gepflogenheiten an. Doch was in den „Canned Hunting“-Camps geschieht, hat mit Jagd nichts mehr zu tun. Die Tiere werden gehetzt, bis sie ein Elektrozaun am Weiterlaufen hindert. Für den König der Tiere ist es zudem eine noch größere Erniedrigung, weder sein Rudeln noch sich selbst beschützen zu können, während er den Widerstand des Stacheldrahts spürt und von Kugeln getroffen wird.

Warum aber Weiße Löwen in Afrika schützen, wenn es weitaus brennendere Sorgen im Umfeld eines jeden Einzelnen von uns gibt, die zu 90% Menschen und nicht Tiere betreffen?

Diese Frage stellte ich erst einmal mir selbst, bevor ich mich wappnete, sie selbst gestellt zu bekommen. Und die Antwort kam schnell, denn sie war mehr als logisch für mich: weil es um mehr geht, weil es nicht „nur“ um das Tier an sich geht, sondern darum, das eigene Bewusstsein zu schärfen im Umgang mit allem, was lebt. Zu pathetisch? Gut, aber wie beginnen, wenn nicht mit Pathos, das zumindest die Chance hat, in medien- und themenübersättigten Zeiten wie diesen Gehör zu finden.

Unsere Kollegen bei Lipp Design in Hamburg druckten damals 2010 auf Lindas Lesereise fleißig Postkarten mit fünf verschiedenen Löwen des Global White Lions Protection Trust als Motiven. Fortan richtete ich auf jeder möglichen Messe, an welcher der Allegria Verlag beteiligt war, einen Löwentisch mit Spendenkasse ein. Jede Postkarte brachte uns einen Münzenwurf, ich liebte das Geräusch aufprallender Metallstücke, es war ein RRRoooooaaaaarrring in meinen Ohren…. Ein kleiner aber feiner Betrag kam zusammen, und den Rest steuerten die Ullstein-Kollegen bei, als ich ebenjenen Schuhkarton bei und am Einlass platzierte.

Schließlich konnte ich dem Trust 600 Euro überweisen und hatte dabei das komische Gefühl, ein gerissenes Tau mit lediglich einem Faden reparieren zu wollen. Doch die Überraschung kam mit Lindas prompter Antwort: Von 600 Euro (etwa 9000 Rand) können zwei Löwen in ihren „Bomas“ acht Wochen lang mit Fleisch versorgt werden. –„Bomas“ sind vom Gelände abgetrennte Bereiche, in der ein neu angekommener Löwe zur Eingewöhnung neben einem anderen untergebracht wird, bevor sich beide draußen in der Wildnis begegnen. Auch Partnerschaften werden so angebahnt, denn das Ziel des Projektes ist, dass sich die wieder ausgewilderten Löwen, die oft aus erbärmlichen Umständen zum Trust kommen, in Freiheit vermehren und neue Rudel gründen. Die Löwen in den „Bomas“ werden mit Kadavern gefüttert, da es unethisch wäre, ihnen die geliebten Gnus und Antilopen auf abgegrenztem Terrain zur Jagd anzubieten.

(Während ich bei einem Weißwein, der auch in der abendlichen Hitze noch das Glas beschlagen lässt, hier auf der Veranda sitze und das schreibe, höre ich Matzieng von draußen „Rrrrooooaaaaarrr“en, obwohl er mindestens zwei Kilometer von hier entfernt sein Revier durchstreift.)

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Viele Zäune, elektrisch geladen…

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…umgeben mich hier. Denn wir leben nicht etwa in einem Haus, von dem aus wir das Gelände der Löwen betreten, sondern wir leben auf dem Gelände der Löwen, sind also selbst im Käfig.

Um das Camp zu verlassen, muss ich ein Elektrotor passieren, und auch das nicht, ohne vorher den „Lion-check“ (den Löwentest) gemacht zu haben…

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Eine Antenne mit einem Funkgerät verbunden senkrecht in die Höhe halten und die Frequenz einstellen, die bei dem Löwen, in dessen Revier ich eindringe, im Halsband gespeichert ist. Zeigt das Display an, dass der Löwe zu nah ist (lautes Piepen und mindestens vier „Balken“), kann ich den Jeep und damit das Camp nicht verlassen. Es ist egal, ob ich einen Arzttermin habe, einkaufen muss oder einen Flug erreichen – hier geben die Löwen den Zeitplan vor, nach dem ich mich zu richten habe. Mein lieber Freund Chris, der seinen Lebensabend bei den Löwen verbringt, ehemaliger Leopardenjäger und Fährtenleser …

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… aus Simbabwe, spricht immer vom „Lion´s plan“. Das ist das Löwenprogramm. Und dieses Programm besagt, dass es keine Programmpunkte gibt. Du weißt nie, was dir widerfährt.

Und in unserem Fall wird das Programm vom Löwenpärchen-to-be Matzieng und seiner Freundin Tswalu bestimmt. (Alles hofft, dass die beiden nach einem intensiven One-Night-stand nun endlich Junge bekommen. Matzieng ist wirklich bemüht um Tswalu, aber sie lässt ihn seitdem buchstäblich im Sommerregen stehen.)

Wir kleines Häuflein Menschen leben hier auf ihrem Territorium, dem Land der Weißen Löwen. Und die werden uns so lange im Auge behalten, bis sie einen von uns haben und der Rest von selbst verschwindet… könnte man denken. Doch die Löwen hier wissen genau, wer sich auf diesen wenigen Quadratmetern ihres 1000-Hektar-Anwesens tummelt: Linda Tuckers und Jason Turners Team und Freunde.

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Und den ersten beiden, Linda und Jason, haben es die sieben Löwen hier und die drei auf dem Nachbargelände zu verdanken, überhaupt wieder in ihren „Homelands“ angekommen zu sein.

Alles begann mit der Auswilderung von Marah

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und ihren drei Kindern Zihra,

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Regeus,

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und Letaba.

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Als Marah eines Nachts beim Ausgraben eines Warzenschweines aus seiner Höhle verschüttet wurde und erstickte, drohte das gerade begonnene Projekt THE GLOBAL WHITE LION TRUST mit ihr zu sterben. Ihre drei Jungen waren noch zu unerfahren, um selbst zu jagen und ohne ihre Mutter klarzukommen.

Linda und Jason folgten ihnen nun Tag und Nacht in ihrem Jeep und mit Funkgeräten, um das Kleeblatt zu orten. Sie mussten zuschauen, wie alle drei völlig abgemagert buchstäblich in den Seilen hingen… Bis zu jenem wundervollen Tag, an dem die Schwester der beiden Jungs, Zihra, die Rolle der Mutter übernahm und, wie bei Löwen üblich, so auch das nächtliche Jagen für sich und – vor allem – für die Jungs. Das Projekt war gerettet. Die Auswilderung der Weißen Löwen nahm ihren Lauf…

Zweimal am Tag fahren Chris und ich raus zum „Game-Watch“, der täglichen Kontrolltour mit dem Jeep zu den Löwen. Immer um 5 Uhr 30, a.m. und p.m. Ich habe meine Kamera dabei, musste vorher aber unterschreiben, keine Fotos von den Löwen zu machen. Spätestens als zum ersten Mal das Funkgerät so stark anschlägt, dass wir den ersten Löwen in unmittelbarer Nähe wissen, wird mir klar, warum. Chris stellt den Motor aus. Es herrscht Ruhe. Dann sehe ich ihn. Mandla. Den unbestrittenen König der Könige, den mit 18 Jahren ältesten Löwen hier und vielleicht sogar in ganz Afrika.

Als Mandla sich erhebt und seinen Blick auf uns richtet, interessiert mich keine Kamera mehr. Dieses Motiv passt in keinen Rahmen. Augen, tiefblau, und wie von Kajalstift umrandet, eine Mähne von unglaublicher Fülle. Ich muss unweigerlich den Blick senken und hebe ihn nur zaghaft wieder, was die Rangordnung hier ganz klar definiert. Dann lässt er sich entspannt auf die Seite fallen und gibt so den Blick frei auf den Rest der „Royal Pride“, seine Frau Zihra und Tochter Nebu.

Abgesehen davon, dass ich jeden Moment mit den Löwen somit intensiver erlebe, als durch das Objektiv einer Kamera, will ich dennoch wissen, warum der Trust keine Fotos erlaubt. In Zeiten von Facebook und Twitter, erklärt mir Linda, würden so Tausende von Bildern ihrer Rudel im Netz umherschwirren, mit Orts- und Zeitangabe. Doch die nebenan liegenden Camps sind keine Naturschutzcamps. Es sind Safaricamps mit Besitzern, die zum Teil der Post-Apartheid-Bewegung aus weißen Neonazis mit Privatarmeen angehören. Diese wüssten nur zu gern, wie groß die Rudel dieser begehrten Trophäen sind und wo sie sich am liebsten aufhalten.

Tierschutz für Linda gilt bei ihr auch für den Schutz am Bild des Löwen, seinem Persönlichkeitsrecht. Fotos ihrer Weißen Löwen werden ausschließlich von ihr oder ihrem Team aufgenommen und freigegeben.

Was macht einen Menschen wie Linda Tucker aus? Was macht sie zu einer Ikone? Vielleicht musste ich hierher fahren, um mich endlich zu finden. Ich mag diesen Satz normalerweise nicht, weil er von so vielen Menschen genutzt wird, die einem nur etwas vorspielen wollen. Eigentlich sollte jeder freie Moment, ob am Wochenende zu Hause oder am Feierabend, ob in einem fremden Land im Urlaub oder in der Heimat, einen selbst genau dahin führen: kurz aufzutauchen aus dem täglichen Einerlei, aus dem immer ein riesen Theater gemacht wird. Und sich dessen bewusst werden, wo man selbst sich gerade aufhält.

Hier im Camp komme ich mit allem zurecht: mit den großen und kleinen Tieren…

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… der Stille, ohne Zeitung, TV, Radio, wenig Internet, kaum Handyempfang, mit der Einfachheit der Duschen und der Küche im Freien. Die ist lediglich von einem Drahtzaun umgeben, vor dem allabendlich Käfer und Spinnen jeder couleur und Größe ihren „The Biggest Loser“-contest abhalten, und die Gewinner zwängen sich dann durch den Maschendraht.

Ich genieße mit Linda Tucker, Jason Turner, Chris und Julie (meinen Ersatzeltern) und der wunderbaren Wynter Worsthorne (Tierkommunikatorin aus Kapstadt) die einzigartige Chance eines gemeinsamen Zieles: mir selbst und vielleicht sogar dem Einen oder Anderen von uns bewusst zu machen, was uns alle hier Wunderbares umgibt, welche Möglichkeiten, welches Glück wir haben, das Wunderbare nicht nur zu erhalten, sondern davon zu profitieren und unser Leben durch mehr Achtsamkeit, Engagement und ein gesundes Maß an Entschleunigung einfach schöner und bewusster zu leben.

Damals, 2010, hatten wir uns wir uns mit den Worten… „See you again. One day…“ verabschiedet. Heute kann ich Euch nur empfehlen: Macht jeden Tag zu dem einen Tag. Es lohnt sich, schon weil Euch Menschen und Orte wie Linda und Timbavati begegnen könnten…

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Patricia Holland Moritz

weitere Infos

Trust: http://whitelions.org/

Blog: www.patriciahollandmoritz.wordpress.com  (Rubrik: Travelbook)

Allegria Verlag http://www.ullsteinbuchverlage.de/nc/verlage/allegria.html

 

 

South Africa – Timbavati Part 3: The Project

„Shoot the hunters! Cowards are hunting the lioness in a fenced inclosure so she cant get away! I hope the guns backfire…“

schrieb ein User bei Facebook unter das Foto dieser Weißen Löwin, die dort zum Canned Hunting angeboten wurde.

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Mein Aufenthalt hier war kein Safaritrip. Seit ich Linda 2010 zum ersten Mal auf ihrer Promotour zu „Die Löwenfrau“ begleitete, wusste ich, dass ich mir ihre Arbeit eines Tages vor Ort an schauen würde. Eines Tages… Mein Leben ist voll von Eines-Tages-Projekten. Nach und nach arbeite ich die Liste ab, und mit dieser Reise fing ich an.

Linda Tucker ist CEO der Non-Profit-Organisation Global White Lions Protection Trust mit Sitz in Timbavati, einem Teil des weltbekannten Kruger National Parks in Südafrika.

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an einem der most sacred places im Camp – mit Linda Tucker (vo.)

Der Hauptaugenmerk des Trusts liegt auf dem Verbot des so genannten „Canned Hunting“ in Südafrika. In diesen Camps werden Löwen auf engstem Raum gezüchtet, noch vor ihrer eigentlichen Fruchtbarkeit zusammengepfercht, um wieder neue Löwengenerationen, oft durch Inzucht, zu produzieren.

  • Touristen kommen in die Parks und können für Geld Löwenbabys streicheln und herumtragen.
  • Werden diese größer, gibt es Lion-Walks: Man geht mit einem Löwen an der Seite spazieren wie mit einem Hund, darf ihn am Schwanz wie an der Leine führen.
  • Werden sie dann auch dafür zu groß, kommen die Jäger. Vorrangig aus den USA, China und Europa. Die Löwen werden auf ein eingezäuntes Terrain entlassen und vom offenen Jeep herab erschossen. Die Trophäe (ganzer Löwe, Kopf oder Pfoten) werden komplett verzollt frei Haus geliefert.

In Südafrika gibt es 160 dieser „killing camps“, auch das ein Grund, weshalb auf dem Gelände des Trustes nur Linda und ihr Team selbst die Tiere fotografieren – Tierschutz at its best. Die Vorstellung, dass allein über die Verbreitung durch Facebook, Twitter und Blogs auch die Gegner einer Organisationen wie des Trusts detailliert über die Lieblingsplätze und die Größe der Rudel informiert sind, zeigt, wie wichtig deren Schutz bis hin zum Schutz der Rechte am Bild des Tieres ist. Und ein wunderbarer Nebeneffekt des Ganzen ist, dass kein Kameraklicken, keine Suche nach dem optimalen Moment den eigentlichen Moment trübt; jenes Erblicken dieser Majestäten, Motor abstellen, Innehalten, Blick senken und nur langtsam wieder heben, um sie in aller Ruhe zu betrachten…. Das gibt kein Foto wieder. Das gehört erlebt… (All pictures with courtesy of The Global White Lion Protection Trust).

Letaba Letaba, Zihra Zihra,  MandlaMandla, Regeus Regeus, Nebu Nebu, Matsieng Matsieng und Zukhara Zukhara.

  • Rund 20 000 Löwen gibt es noch in Afrika.
  • 900 Löwen werden jedes Jahr legal gejagt und als Trophäen exportiert.
  • Allein Südafrika exportiert 547 davon. (Das sind nur die offiziell registrierten.)
  • In Südafrika gibt es mehr Löwen in Käfigen als in der Wildnis. (2,743 ‘wilde’ Löwen in SA Game Reserves bei der letzten Zählung, ca. 8000 in Gefangenschaft.)
  • Das Erlegen von Löwen in einem abgezäunten Gelände („canned hunting“) ist ein boomender Geschäftszweig in SA.
  • Die in den Camps gezüchteten Löwen können nie wieder ausgewildert werden, weil ihre Gene verändert sind und die Tiere die Scheu vor dem Menschen verloren haben.
  • In den letzten 15 Jahren sind mehr als 160 “Canned Lion” killing camps in SA entstanden.
  • Löwenknochen gelten mitunter in ganz Asien als große Rarität.

Am Samstag, dem 15. März 2014 findet weltweit der GLOBAL MARCH FOR LIONS: To Ban Canned Hunting statt. Schließt Euch an, jede Stadt, die teilnimmt, zählt, so wie jede Stimme, jedes Foto. Trefft Euch, singt und feiert – alles hilft und sorgt für Aufmerksamkeit. Näheres findet ihr hier – join in 🙂 http://www.globalmarch4lions.org/#sthash.7PAl0qmN.dpbs

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Warum für Löwen kämpfen, wenn uns im Alltag ganz andere Probleme umgeben? Weniger exotische vielleicht? Diese Frage habe ich mir hier in SA genau ein Mal gestellt, und die Antwort kam schnell, denn sie war mehr als logisch für mich: weil es um mehr geht, weil es nicht „nur“ um das Tier an sich geht, sondern darum, das eigene Bewusstsein zu schärfen im Umgang mit allem, was lebt. Zu pathetisch? Gut, aber wie beginnen, wenn nicht mit Pathos, das zumindest die Chance hat, in medien- und themenübersättigten Zeiten wie diesen Gehör zu finden.

Niemals nichts tun.

Karl Lagerfeld

To be continued… (Worauf ihr euch verlassen könnt.) 😉

Mandla_Zihra_Nebu2Ein gewohnter Anblick der täglichen Tour: The Royal Family, Mandla, Zihra und Princess Nebu.

(c) Linda Tucker

South Africa – Timbavati Part 2: About Spiders and Fences

(For my quite clumsy English translation, please scroll down… Thank you.)

Viele Zäune, elektrisch hoch geladen, sind auf den Bildern zu sehen und umgeben mich hier den ganzen Tag. Um das Camp, in dem ich wohne, zu verlassen, muss ich ein Elektrotor passieren, und auch das nicht, ohne vorher den „Lion-check“ (den Löwentest) gemacht zu haben: Eine Antenne mit einem Funkgerät verbunden senkrecht in die Höhe halten und die Frequenz einstellen, die bei dem Löwen, in dessen Revier ich eindringe, im Halsband gespeichert ist.

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Zeigt das Display an, dass der Löwe zu nah ist (lautes Piepen und mindestens vier Balken auf dem Display), kann ich den Jeep und damit das Camp nicht verlassen. Es ist egal, ob ich einen Arzttermin habe, einkaufen muss oder einen Flug erreichen – hier geben die Löwen den Zeitplan vor, nach dem ich mich zu richten habe. Und im Fall unseres Camps sind das Matzeng und seine Freundin Tswalu.

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(Alles hofft, dass die beiden nach einem intensiven One-Night-stand nun endlich Kinder kriegen. Matzeng ist wirklich bemüht um Tswalu, aber sie lässt ihn seitdem buchstäblich im Sommerregen stehen.)

Wir kleines Häuflein Menschen leben hier auf ihrem Territorium, dem Land der Weißen Löwen. Und die werden es so lange im Auge behalten, bis sie einen von uns haben und der Rest von selbst verschwindet… könnte man denken. Doch die Löwen hier wissen genau, wer sich auf diesen wenigen Quadratmetern ihres 1000-Hektar-Anwesens tummelt: Linda Tuckers und Jason Turners Team und Freunde. Und den ersten beiden haben es die sieben Löwen hier und die drei auf dem Nachbargelände zu verdanken, überhaupt wieder in ihren „Homelands“ angekommen zu sein.

Alles begann mit der Auswilderung von Marah

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und ihren drei Kindern Zihra, Regeus und Letaba. Als Marah eines Nachts beim Ausgraben eines Warzenschweines aus seiner Höhle in eben jener Höhle verschüttet wurde und erstickte, drohte das gerade begonnene Projekt THE GLOBAL WHITE LION TRUST mit ihr zu sterben. Ihre drei Jungen waren noch zu unerfahren, um selbst zu jagen und ohne ihre Mutter klarzukommen. Linda und Jason folgten ihnen nun Tag und Nacht in ihrem Jeep und mit Funkgeräten, um das Kleeblatt zu orten. Sie mussten zuschauen, wie alle drei völlig abgemagert buchstäblich in den Seilen hingen… Bis zu jenem wundervollen Tag, an dem die Schwester der beiden Jungs, Zihra, die Rolle der Mutter übernahm und, wie bei Löwen üblich, so auch das nächtliche Jagen für sich und – vor allem – für die Jungs. Das Projekt war gerettet. Die Auswilderung der Weißen Löwen nahm ihren Lauf…

Aber es gibt noch andere Tiere hier… Darf ich vorstellen…

Der unheimliche Gunther!

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In Afrika ist alles größer, und es lebt. Trittst du hier barfuß in irgendwas auf deiner Badematte, ist das kein Verschluss vom Conditioner, sondern etwas Lebendes. Und das hat meistens einen Stachel, weitaus mehr als vier Beine und reagiert giftig oder einfach nur sauer, wenn du drauf trittst. Ich – die jede Erkerspinne mit Feuerwehrnotruf und zehnfach versiegeltem Schraubglas nach draußen befördert, um sie in mindestens 10 km Entfernung wieder auszuwildern – ertappe mich dabei, den Geräten hier Namen zu geben und dabei herausfinden zu wollen, was wohl ihr Plan ist. Dieses Exemplar (Gunther, der Unheimliche) überraschte mich heute Nacht mit seinem Besuch an meinem Freiluftschreibtisch. Ich war nur mal kurz zum Händewaschen, schon hatte sich um meine Rotweinflasche und den Pfosten, der das Dach auf dem Haus hält, ein Faden gesponnen. Spinnenfäden daheim sind lästig, aber besiegbar. An denen hier kannst du dich aufhängen, wenn dich der Häuslebauer nicht vorher verspeist hat. Aber mein Glas war noch voll, ich musste die Flasche also nicht bewegen, und so verbrachten Gunther und ich diesen Abend gemeinsam. Und ich ertappte mich dabei, ihn (Gunther) schön zu finden. Vielleicht ist er ja zum Frühstück noch da…

ENGLISH

Many fences on high voltage can be seen on the photographs I am taking here. To leave the camp we live in, we have to pass the electric gate and even that not without doing “the Lion check” beforehand.

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If the lions – in this case Matzeng and his girlfriend Tswalu…

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…whose territory I am entering into, are too close, I can postpone any plans. My schedule is in the lion´s paws, and they don´t care if I have to go shopping or to catch a flight.

The project once started with Lioness Marah…

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and her cubs Zihra, Regeus und Letaba. The day Marah was buried alive in a warthog´s hole and died, her cubs were far too young to survive without her mother. But Linda Tucker and Jason Turner, who had just succeeded to free Marah and her offsprings from the dungeons of Johannesburg zoo, had to sit and watch if these three young lions would survive on their own with everything they had so far learnt from their mother. One day – the three nearly were starved – the miracle happened. Zihra overtook her mother´s role and hunted and looked after her brothers. The project went on, the reintroduction of the White Lions into their homeland was on its way…

But there are more animals overhere! Let me introduce the first one to you:

The incredible Gunther!

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I completely had to change my attitude towards insects. Here everything you step on is big and alive, and often it has more than four legs and a sting and gets angry or poisonous when you hit it on your bath mat. Me who calls 911 for every spider in the house and then relocates it, carrying it in a 10-fold-sealed jar, to a place at least 15 miles away – cought myself dubbing these creatures I am exposed to overhere and to try to find out their plans. This guy right here (dubbed “Gunther, the incredible”) came to see me last night when I sat at my open air desk, surrounded by the cries of a hyena and a pitch-dark night. I just went to wash my hands for a second, and when I came back he already had spun a thread between the bottle of red wine to the left of my laptop and the pillar that holds the roof of the house. I was waiting for the moment he would start dancing on it. Cobwebs at home are easy to wipe away. Here they are made of ropes which you can hang yourself with, if the web-owner hasn´t eaten you alive before that. But my glass was filled, so I did not have to touch the bottle. And so Gunther of Timbavati watched me the whole night while I was writing my blog about the White Lions of Timbavati. And I even thought that he was good looking, an impression which I definitely owe that tasty South African wine…

South Africa – Timbavati – Part 1: The journey begins

Did you ever hear about „canned hunting“?

You can book a trip to South Africa including a hunt, you can shoot a lion in his cage and get it taxidermied and wrapped – delivered duty paid – to your home or office.

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Today, no White Lions exist in the wild.

The White Lion Reintroduction Project was ‘officially’ birthed in 2001 with the publishing of Linda Tucker’s book “Mystery of the White Lions: Children of the Sungod”, which was the result of 10 years of research and first-hand experience of the White Lions’ natural history and mythological origins.

(German edition Die Löwenfrau, Allegria Taschenbuch)

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Linda Tucker´s work wins a world wide audience through her books and reading tours…

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Marah was the first original white lioness rescued by Linda Tucker in her project of reintroduction.

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Her name means ‘mother of Rah, the sungod”. She formidably shattered all misperceptions about white lions not being able to hunt and survive in the wild – she successfully raised her cubs (Zihra, Letaba and Regeus) to adulthood under free-roaming conditions and taught them to hunt self-sufficiently. Her hunting success rate was comparable to the wild-born tawny lionesses that were observed in the same environment, under the exact same conditions.

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Today, without increased protection, the White Lions of Greater Timbavati still face extinction in the near future. Linda Tucker and her team urges CITES, the IUCN and the South African Government to list the White Lion (Panthera leo tsau) as a critically endangered sub-population and increase protection measures of this rare and culturally revered animal.

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So, I´m on my way and I cu… there.

(pictures and information by courtesy of Global White Lion Trust)