Krügers Farbenleere

Vom Mann, dem eine Farbe abhanden kam

blue_c_phm.2015

Was ihn schließlich geweckt hatte, war Krüger egal. Von irgendetwas wurde er immer wach. Und zwar pünktlich eine Stunde, bevor sein Wecker schrillte. Der war ebenfalls auf eine Stunde früher als nötig gestellt. Krügers Augen verengten sich zu Schlitzen. Er hob leicht den Kopf. Stützte sich auf den Ellenbogen ab. Starrte auf das Viereck des Klappfensters über dem Bett. Irgendetwas gab es dort immer zu sehen. Heute rein gar nichts. Er schob die Füße in die Pantoffeln. Schwang sich schwerfällig aus dem Bett. Ließ den Gummizug seiner Jogginghose auf seinen Bauch klatschen. Stopfte den Rand des fransigen Unterhemdes in den Hosenbund und war in Gedanken gar nicht dabei. Er lehnte sich an das Fensterbrett. Öffnete die Klappe bis zum Anschlag. Kalte Luft ließ ihm die Nackenhaare zu Berge stehen. Der Blick von hier oben war außergewöhnlich. Trotzdem nutzte Krüger das Fenster nur zum Öffnen und Schließen. Wie zum Beatmen seiner Wohnung.

Krüger kicherte, ganz kurz nur.

Er lehnte sich nach vorn. Stellte sich auf die Fußspitzen. Schaute wieder in den Himmel. Doch da war – nichts. Senkte den Blick auf die Häuser gegenüber. Sie schienen wie aufgemalt auf einen Hintergrund aus Zweckmäßigkeit. Das war ihm noch nie aufgefallen. Vielleicht, dachte Krüger, weil die Häuser sonst anders vor ihrem Hintergrund standen. Oder weil er sie sich noch nie angeschaut hatte.

Krüger schloss das Fenster. Er war es nicht gewöhnt, dass ein Tag schon zu Beginn aus der Spur lief. Den Espresso machte er vorsichtshalber doppelt. Erst war Else von ihm gegangen und dann der Hund. Wobei die Reihenfolge nicht wichtig war. So oder so war Krüger seit vier Jahren allein. Sein Leben war ein Mangelzustand, den er asketisch ertrug.

Er trank den Espresso. Ordnete seine Gedanken: Halbleitertechnik. Der Laser als Präzisionswerkzeug kann seine Vorteile ausspielen. Darauf setzte die Firma. Und Krüger sorgte für einen reibungslosen Vertrieb. Entschlossen klemmte er die leere Aktentasche unter den Arm.

Um acht verließ Krüger die Wohnung.

Von den Kollegen unbehelligt setzte er sich an seinen Schreibtisch. Fuhr den Rechner hoch.

Der Bildschirm mit Dateien gesprenkelt. Krüger räusperte sich. Verbarg sein Erstaunen, als ob ihn jemand dabei hätte ertappen können. Spürte wieder jene diffuse Angst. Am Morgen, am Fenster, hatte er sie noch verdrängen können. Zu lächerlich das Ganze. Wenn er das einem erzählte. Dabei gab es schon lange keinen mehr, der zuhörte. Ihm selbst war es schon zu absurd gewesen, weiter darüber nachzudenken.

Sein Schreibtisch, das ganze Büro war auf Funktionalität ausgerichtet. Keine gerahmten Bilder oder Kinderzeichnungen an der Wand wie sie die Kollegen zur Rückversicherung ihres Lebens brauchten. Jeder Kugelschreiber, jeder Zettel trug das Firmenlogo. Nur das Foto auf dem Bildschirm war ein Relikt aus Krügers Dasein jenseits der Halbleitertechnik. Aufgenommen im letzten Urlaub mit Else. Sie hatte einfach spontan irgendwohin fahren wollen. Einmal im Leben. Doch Krüger mochte keine Überraschungen. Die guten hatten die bösen meist im Schlepptau. Also wieder Darß. Zingst. Ferienwohnung an der Strandpromenade. Woanders war das Meer auch nicht schöner. Als er auf den Auslöser drückte, waren Himmel und See zu einer Farbe verschmolzen. Er hatte den Moment eingefangen, in dem ein Kunstwerk vor ihm entstand. Schon vom nächsten Augenblick war es verdeckt worden. Auf dieses Foto von Himmel und Meer war er stolz gewesen. Und nun lagen die Dateien wie Puzzleteile auf farblosem Hintergrund.

Er schaute auf das Fenster am Ende seines Schlauchbüros. Blickte auf die graue Fassade mit Büropflanzen hinter Glas. Lehnte sich etwas nach vorn. Letzte Etage. Flachdach. Darüber  – nichts.

Der Laser arbeitet berührungslos und wird zum Belichten, Bohren, Schneiden und Abtragen dünner Schichten eingesetzt. Zum Einsatz kommen CO2– und Festkörperlaser. Krüger konnte sich nicht konzentrieren. Entschloss sich zu etwas Ungewöhnlichem: Er verlegte seine Mittagspause um eine Stunde nach vorn. Ging die zweihundert Meter bis zum LIDL etwas langsamer als sonst.

Er sah sie von weitem. Kasse zwei. Er war erleichtert. Dort stellten sich immer die wenigsten an. Das Herdentier Mensch drängte für gewöhnlich gen Mitte. Dorthin, wo sich bereits ein Einkaufswagen am anderen rieb. Sie saß mit dem Rücken zu ihm. Das Haar hochgesteckt. Ihr Kopf bewegte sich leicht hin und her. Sie war im Gespräch. Mit ihm hatte sie sich noch nie unterhalten. Aber immer hatte sie gelächelt. Jeden Tag um zwölf Uhr dreißig. Heute war er früher dran.

Um diese Zeit war wenig los. Eine wohltemperierte Verkaufsausstellung mit leiser Musik. Er nahm einen Korb. Der reichte für Kakaomilch, Krabbensalat, ein Brötchen und zwei Äpfel. Krüger bog in den Gang zwischen Nudeln und Brot ein. Der führte ihn direkt zu Kasse zwei. Zwei Kunden standen vor ihm. Von den Kassen eins und drei schauten gelangweilte Kassiererinnen herüber. Krüger stellte sich an Kasse zwei. Wagte erst jetzt einen weiteren Blick. Konnte nicht glauben, was er nicht sah. Ihre weiße Haut, im bezaubernden Kontrast zu den rötlichen Locken, war blasser als sonst. Nur noch ein Kunde vor ihm. Krüger kannte sie nur sitzend auf ihrem Drehstuhl. Vielleicht war sie so groß wie er, was nicht groß war. Wahrscheinlich aber kleiner. Und korpulent. Der Kittel umspielte ihren Körper wie ein Kleid von Dior. Oft hatte er sich ausgemalt, was sie wohl sonst für Sachen trug. Ihre Brüstchen waren immer ziemlich weit ins Décolleté geschoben. So auch heute. Ihre Bewegungen, wenn sie nach der Ware griff und dann in die Kasse, waren anmutig wie immer. Er war nicht in sie verliebt. Sie war ein unauffälliges Wesen, das seinen Einkauf abkassierte. Für ihn war es eher ein Spiel. Sie jeden Tag zu besuchen, ohne eingeladen zu sein, brachte Abwechslung in Krügers Alltag. Auf der Straße wäre sie ihm nie aufgefallen. Eigentlich war sie ihm egal. Daher war ihm dieses Gefühl unerklärlich, das ihn nun wie paralysiert auf ihren Kittel starren ließ.

Er war an der Reihe. Während er sie anstarrte, nahm sie die Sachen aus seinem Korb. Legte sie geduldig auf das Band. Das Piepen des Scanners nahm er wie eine Sirene wahr; eine, die nicht ihn meinte. Vier Euro zwei Cent. Er zählte das Geld auf den Teller. Packte Milch, Salat, Brötchen und Obst in die leere Aktentasche. Schaute von ihrem Kittel auf. Direkt in ihre Augen. Die waren ihm gleich beim ersten Mal aufgefallen. Für diesen Anblick hatte er das Spiel einst begonnen. Es war nicht ihre Form, Größe oder Kontur. Es war die Farbe ihrer Augen gewesen. Die Farbe, die nun fehlte. Krüger schüttelte den Kopf und ging.

Es war Mittag. Und er wollte sich betrinken. Dann so betrunken ins Bett fallen, dass er am Morgen nicht zur Arbeit gehen konnte. Im Pub roch es modrig nach einer Nacht voller schwitzender Trinker. Am Tresen polierte ein Barkeeper Gläser. Whisky. Doppelt. Mit Wasser oder Eis? Weder noch. Krüger trank nicht. Krüger schüttete. Er bestellte nach. Schüttete und bestellte nach. Trank drei weitere und zahlte. Das machte keinen Sinn, stellte er fest. Nicht einmal Alkohol brachte das Getriebe seines einförmigen Lebens aus dem Takt. Stocknüchtern verließ er den Pub und ging zurück ins Büro.

Von Abtragungsprozessen durch Trockenätzen bis zum Zonenziehen zur Herstellung reinsten Siliziums bot die Firma ihren Kunden ein breites Spektrum an Halbleiteranwendungen. Krüger starrte vom trostlosen Bildschirm aus dem Fenster in den faden Himmel und war in Gedanken beim freudlosen Anblick der Kassiererin. Warum auch das noch?, fragte er sich und fuhr den Computer herunter. Grußlos ging er an den Kollegen vorbei und raus auf die Straße.

Krüger schloss die Augen. Atmete tief ein und aus. Fasste den zweiten Entschluss dieses Tages. Dabei hatte er genau diese Ausflugsvariante sein Leben lang gehasst und gemieden: die Fahrt ins Blaue.

Genau die würde er jetzt antreten.

Bevor ihm auch dieses Blau noch genommen wurde.

 

Shortstory / artwork blue © phm.2015

Der Kriminalschriftsteller ist eine Spinne, die die Fliege bereits hat, bevor sie das Netz um sie herum webt. Sir Arthur Conan Doyle. – Short Crime by phm.

Übersicht

Es ist Zeit, mal eine Lanze für die täglichen Fingerübungen eines Krimischreibers zu brechen.

Wofür ich sonst 320 Seiten und ein Jahr habe, muss auf 12 Seiten passen und in drei Wochen geschrieben sein.

Die Tat in ihrer Planung und Durchführung, ihr Motiv und die Auflösung.

„5 Reasons Why Short Stories Are Easier to Adapt Than Novels…”

http://huff.to/1Svfgys

Naja… wishful thinking.

Der Feine Hand Verlag in Leipzig hat sich Krimischreiber in ihren Schreibpausen geschnappt und zur kurzen Form verdonnert, was anfangs so ein bisschen wie Hausaufgabenmachen ist, bis man merkt, dass das die Prüfung war und man bestanden hat.

So wurde ich zur Auftragsmörderin, wenn es wahlweise Gift-, Kirchen-, Sachsen-  oder Weihnachtsmord hieß, und ich habe sie nicht begangen, aber geliefert…

Here you go:

Herausgeber: Andreas M. Sturm / Verlag: fhl Leipzig

Giftmorde15 tödliche Anleitungen.

2013, 222 S., € 12,00 ISBN 978-3-942829-08-3, eBook € 7,99 ISBN 978-3-95848-200-5

„Alraunenmord“

Seine Ehe war ein Gefängnis, war ein einziger, von Stacheldraht begrenzter Hofgang. Rudolfs Arbeitszimmer war seine Zelle. Dort hatte er sich gemütlich eingerichtet… zur Leseprobe

Sakrament des Todes13 Morde auf heiligem Boden.

2014, 208 S., € 12,00 ISBN 978-3-942829-58-8, eBook € 7,99 ISBN 978-3-95848-205-0

„Das Fest“

Guibert ließ sich seine Faszination für den seltsam verrenkten Körper zu seinen Füßen nicht anmerken, um den er nun wie ein Marabu herumschritt. Es wurde gekreuzigt, das ja. Und vor Jahren war ein Mann in seiner Badewanne geschächtet worden in der nördlichen Banlieue, auch das. An den Fall des geblendeten Polizisten wollte Guibert jetzt gar nicht denken…

Sachsenmorde13 packende Thriller aus dem Freistaat.

2015, 244 S., € 12,00 ISBN 978-3-95848-700-0, eBook € 7.99 ISBN 978-3-95848-211-1

„Auf den letzten Drücker“

– Die Geschichte des letzten Henkers der DDR.

Das Letzte, was Siegfried Reske durch den Kopf ging, war eine Kugel. Ott, Oberstleutnant der NVA a. D., dachte in letzter Zeit oft an Siegfried Reske und jenen Tag im Juni 1981. Nicht, weil er stolz darauf war, wie andere auf den Tag ihrer Hochzeit oder den der Geburt ihres ersten Kindes. Dabei hätte er stolz sein können. Aber das war nicht das Gefühl, das den Gedanken an den jungen Mann immer wieder nach oben holte. Ott dachte sowieso immer die gleichen Dinge, die wie ein nutzloser Haufen mehrfach und mit wachsender Langeweile gelesener Bücher in seinem Kopf herumspukten…

Weihnachtsmorde

2015, 240 S. € 12,00 ISBN 978-3-95848-702-4 eBook € 7.99 ISBN 978-3-95848-210-4

„Out of Order“

In seiner schwarzen Gymnastikhose kam er sich tuntig vor. Erst als er sich vor dem Spiegel hin und her drehte, fand der den Anblick gar nicht mehr so übel. Knackarsch und gute Oberschenkelmuskeln gaben ihm die Gewissheit, dass er mit seinem Aussehen dem Durchschnittsmann um Längen voraus war und sich seine Figur nicht mehr veränderte. Das LKA hatte ihn wegen einer offensichtlich hartnäckigen Zwangsstörung ausgemustert und mit 55 in Frührente geschickt. Er fühlte sich gut damit und alles andere als überflüssig. Noch weniger, seit er sich ehrenamtlich um die Kids in seinem Viertel kümmerte, alle Jahre wieder den roten Kittel über die Gymnastikhose zog und sich den weißen Bart anklebte…

Giftmorde III15 weitere tödliche Anleitungen.

geplant für März 2016 ca. 240 S. € 12,00 ISBN 978-3-95848-703-1

-work in progress – Das große Schöllkraut ist das Gewächs, mit dem ich morde…

To be mörderischst continued.

Die Krimiautorin Patricia Holland Moritz hat sich den Fragen von ePub3 gestellt. Los geht’s!

Dein neues Buch „Kältetod – Rebekka Schombergs zweiter Fall“ ist seit Juli draußen. Es geht um Mord, Politik und Chrystal Meth in Deiner Wahlheimat Berlin. Erzähl mal ein bisschen über die Protagonistin.
Meine Protagonistin ist einem nicht sofort sympathisch. Doch das geht auch mir auch im eigenen Leben so: Manchmal begegnen mir Menschen mit einer scheinbar rauen Schale. Entdecke ich auch nur ein kleines Zeichen – jenes Funkeln von etwas Interessantem oder Einzigartigem – an ihnen, dann sehe ich das als Herausforderung und versuche, hinter die Kulisse zu steigen. So sind die schönsten Freundschaften in meinem Leben entstanden. – Rebekka Schomberg ist widersprüchlich. Einerseits von dem Gewissen geplagt, über mehrere Millionen Euro zu verfügen, die letztlich nichts als Blutgeld ihres verbrecherischen Großvaters aus dem 2. Weltkrieg sind, andererseits setzt sie das Geld für die Lösung von Todesfällen ein, die ohne ihre Hilfe nie als Delikte entdeckt worden wären. Dabei lebt sie ein Leben, um das sie viele beneiden würden, wenn sie nur davon wüssten. Doch genau hier liegt die Krux: Rebekka ist die letzte Schomberg, und von ihrer Existenz weiß so ziemlich niemand. Sie lebt das Leben eines Chamäleons in selbst gewählter Einsamkeit, bleibt sie unerkannt und kann besser ermitteln, als es jeder Kripobeamte könnte.

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Mit Ulrich Wickert, LVZ-Kriminacht @ Buchmesse Leipzig 2014. Weitere Teilnehmer: Hakan Nesser (im Hindergrund) und Arne Dahl.

Du hast eine Serie begonnen, einen Buchtrailer zum ersten Buch bei Youtube, und bist auf Lesetour, unterstützt von Deinen Verlagen (Gmeiner Verlag / fhl Verlag Leipzig). Wie war der Sprung von „ich schreib halt mal was“ zur professionellen Autorin? Gab es da einen „Erweckungsmoment“?  Oder bist Du da ‚reingerutscht, du warst ja selbst beruflich in den Bereichen Buchhandel und PR tätig…
Veranstaltungsplakate„Ich schreib halt mal was“ dachte ich als Kind, und ich begann Tagebuch zu schreiben. Es folgten Kurzgeschichten und Workshops, damals Arbeitszirkel genannt, wie z.B. der „Zirkel schreibender Arbeiter“, da hockte ich einmal im Monat mit ziemlich dilettantischen Gedichten und Geschichten, die den Weltfrieden forderten, und war noch Schülerin. Richtig gepackt hat mich das Fieber dann beim Abi. Wir trafen uns als kleiner Poetenstammtisch regelmäßig bei dem Chemnitzer SchriftstellerRainer Klis. Ihm verdanke ich alles. Er hat jede noch so kurze Geschichte von mir nochmal gekürzt. Mir beigebracht, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und meine Leser nicht für doof zu halten, indem ich ihnen alles erkläre. Erst im Nachheinein erfuhr ich, dass unsere Treffen bei ihm auch von der Stasi beobachtet wurden, da Rainer in Miniaturen aus Metaphern seine Kritik am System DDR ausdrückte (von ihm hab ich gelernt, was eine Metapher ist und im Text bewirken kann). Als im Herbst 1988 meine Ausreise aus der DDR bevorstand, verbrannte ich alle meine Tagebücher und Briefe im Ofen meiner Dachgeschosswohnung im Leipziger Connewitz.

Die ersten Spuren meiner Schreiberei hängen nun im Leipziger Himmel, und das Verbrennen der Bücher verbindet mich mit Thomas Mann. Aber das ist dann auch schon alles an Parallelen. Ich habe es nicht so mit unseren großen Klassikern, sondern eher mit den anglosächsischen Autoren, mit John Irving, Woody Allen, John Connolly, Patricia Highsmith. Und als Ausnahme Ephraim Kishon. Erweckungsmoment gab es keinen. Wahrscheinlich wurde ich zu oft zu meiner Verwandtschaft mitRenate Holland-Moritz befragt, und dachte, dann muss ich halt auch schreiben.

Auf dem Wave-Gotik-Treffen in Leipzig warst du auch. Wie ist das denn so, vor Grufties zu lesen?

Patricia Holland-Moritz und Freunde

Naja, irgendwie ist meine Rebekka Schomberg, das Chamäleon, ja auch ein Gruftie. Ein Gefühlsgruftie on the Dark Side of Humanity, weil sie zwar Empathie und Seele hat, aber die Gesellschaft, in der sie lebt, nicht sonderlich mag. Sie kommt zu oft mit den Verbrechen, der Verlogenheit und der Karrieregeilheit ihrer Mitmenschen in Kontakt, um sie wirklich zu mögen oder ihnen wenigstens zu vertrauen. – Das war schon meine zweite Lesung auf dem Wave-Gotik-Treffen, und ich hoffe, nächstes Jahr bin ich wieder dabei. Wunderbare Leute, gerade wie du und ich.

Eine Frage zur Technik. Du publizierst als Taschenbuch, aber auch eBooks für den Kindle und im ePub-Format. Wie sieht denn der Workflow aus? Mit welchem Programm schreibst du die Story, und wie geht es dann weiter?
Mit der Technik habe ich es gar nicht, außer mit der Technik beim Schreiben – vom Plot zum Buch. Natürlich ist es wunderbar, dass meine Bücher zeitgleich auch als Ebooks erscheinen. Ich schreibe jedoch ganz klassisch in Word, die elektronische Verarbeitung übernehmen dann zum Glück die Verlage.

Lass uns über die Zukunft sprechen. Material für Band 3 wird schon gesammelt?
Ja, ich sammle wie verrückt. Doch mit dem Schreiben beginne ich immer erst, wenn der Vertrag mit dem Verlag unterzeichnet ist und ich einen Zeitplan habe. Band II endet nach dem gelösten Fall ja mit einem Cliffhanger – und das erste Feedback meiner Leser ist zu 90%: Wann kommt Band drei? Du kannst uns doch nicht hängen lassen?

Über Deine Lesetour haben wir schon gesprochen. Jetzt ganz konkret: Wo bist Du denn in nächster Zeit unterwegs?

Meine Tourdaten findet Du immer aktuell auf meinem Blog:

Und das sind die nächsten Daten und Orte:
27.09.2015 BERLIN – St. Marien Behnitz (Spandau, mit den Mörderischen Schwestern e.V.)
18.10.2015 BERLIN – Böse Buben Bar (mit Jonny Götze – Gitarre)
29.10.2015 BERLIN – Nicolaische Buchhandlung
03.10.2015 MÜLHEIM / RUHR – Kuz Fünte
03.10.2015 BIELEFELD – Queer´s
01.12.2015 BERLIN – Polizeibibliothek
30.01.2016 LEIPZIG – KrimiLounge studio3

Das CHAMÄLEON ermittelt wieder… „Kältetod – Rebekka Schombergs zweiter Fall“ Ab 1. Juli im Handel.

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Rebekka Schomberg jagt in Paris der blutbefleckten Vergangenheit ihres Großvaters nach. Währenddessen verschwindet ihr Vertrauter Freddy in Berlin spurlos. Seine Kollegen halten sich seltsam bedeckt. Während die Suche nach Freddy auf Hochtouren läuft, wird der Kulturstaatssekretär Berlins in seiner Pankower Villa erhängt aufgefunden – mit der Droge Crystal Meth im Blut. Bei der Durchsuchung des Hauses stößt Ermittler Mark Tschirner, Rebekkas Geliebter und Informant, im
Computer auf einen Chat des Opfers mit einem jungen Mann. Alles weist auf einen homosexuellen Drogenkontakt hin und »Gayromeo« sieht dem verschwundenen Freddy verblüffend ähnlich. Mark versucht verzweifelt, Rebekka zu erreichen, die alles von Paris aus in den Medien verfolgt. Als ein Junge tot aus der Spree gefischt wird, nimmt der Fall eine grausame Wendung. Auf dem Höhepunkt der Ermittlungen kehrt Rebekka zurück und wird an Marks Seite mit Abgründen menschlicher Perversion konfrontiert.

Kältetod

Rebekka Schombergs zweiter Fall

309 S. / 12 x 20 cm / Paperback
erscheint am 1. Juli 2015
ISBN 978-3-8392-1768-9
€ 11,99

Kapitel 1

Es ging langsam. Er roch das Holz. So viel Holz in diesem
Raum, das war ihm nie so bewusst gewesen. Der
Sommer begann gerade. Es mussten die Sonnenstrahlen
sein, die durch die Dachfenster fielen … Sie heizten es
auf, das Holz, das jetzt duftete. Es roch nach Holz in seinem
Haus. Wieso hatte er das nie wahrgenommen? Das
Holz … Es würde länger leben als er. Die Lilien neben
der Eingangstür … Sie wären erst dann verblüht, wenn
er bereits eine Woche unter der Erde lag. In seinem eigenen
Sarg. Am Ende seines Lebens und am Anfang dieser
unvorstellbaren schwarzen Leere. Noch ein, zwei Minuten
würde sein Gehirn durchhalten und Sauerstoff aus
dem Blut heraussaugen. Der Strick aus Plastik fräste sich
sekündlich tiefer in seine Haut. Er spürte seine Hände
nicht mehr. Seine Schultern waren schwer wie Kugellager.
Es ging zu langsam. Viel zu langsam. Die Zeit, die ihm
blieb, würde er nicht nutzen können. Sie war so viel wert
wie ein hingeworfener Brocken Rohfleisch vor einen Verhungernden.
Das Wissen um die Zeit, in der er sein Leben
nicht würde retten können, versetzte ihn in Panik. Nie
im Leben hatte er Zeit gehabt. Und jetzt zu viel davon.
Und doch wollte er nicht, dass sie verging. Denn mit ihr
ging sein Leben auf dieser Erde zu Ende. Das war nicht
die Probe. Das war der Auftritt. Kein Genickbruch am
Galgen, sondern langsames Ersticken, an seinem eigenen
Dachbalken hängend. Krämpfe setzten ein. Das Plastikseil
schnitt tiefer. Speichel lief aus seinem Mund. Ein
warmes Rinnsal Blut floss aus seinem Ohr in den Kragen
seines Hemdes. Seine Tränen mischten sich mit dem
Rotz, der aus seiner Nase lief. Die letzten Gedanken eines
Menschen, der wusste, dass er starb. Er hatte sie nun, da
er kein Wort mehr sagen konnte, obwohl auf seine brechenden
Augen eine Kamera gerichtet war.

Krimijournal:

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Krügers Farbenleere: Kunst und Kulinarik im Dialog

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Über BLAU zu schreiben ist wie sich in den Zustand hineinsaufen. Ist eine Reise in die Traurigkeit, von der du erleichtert zurückkehrst.

BLAU fühlt sich so weit wie Ozeane und der Himmel an und zugleich so hauteng wie der Kittel einer Lidl-Kassiererin. Das allein ist verstörend genug.

Doch erst im Fehlen von BLAU spürst du den Mangel, der sich kaum aushalten lässt. BLAU ist ein Zustand… was haben wir gelacht. BLAU ist die Stimmung, von der wir uns deprimieren lassen. BLAU ist das Unbekannte, das uns lockt. Aus dem BLAUen kommt die Nachricht, die selten Gutes bedeutet. Und ins BLAUe hinein reden wir, was uns an Unsinn einfällt. In Zeiten des Überflusses ein Fehlen zu durchleben ist das Abenteuer, das Krüger durchlebt…

Premierenlesung am 7. Mai 2015 in der Cooks Connection Berlin-Charlottenburg

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Foodporn und Poetry – was auf´s Ohr und auf den Gaumen gab es an diesem kulinarischen Abend mit dem Berliner Sternekoch Tom Elstermeyer und unseren Texten zu den Farben BLAU ROT GELB, die sich tatsächlich in einem literarischen Wettbewerb durchgesetzt hatten, ausgeschrieben von Literaturagent Johan de Blank (Wortspiele) und dem Zeitschriftenverleger Jonas Reuber (Das Leben als Leser).

Es lasen: GELB – Franziska Hauser “Raja im blauen Sarg”, ROT – Karl-Heinz P. Kohn “Bottrop State of Mind”

und BLAU – Patricia Holland Moritz “Krügers Farbenleere”.

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Und hier geht es zu meiner Kurzgeschichte / (c) phm.2015:

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 BLUE

To dive into the BLUE

Is a trip into sadness

Is a return of relief

Is as wide as the oceans are

Covered with sky

Is as tight as the coat of a Lidl cashier

And disturbing enough.

Worse than it all

Is the missing BLUE

A missing link

We can hardly endure .

BLUE is the state

Into which we love to drown ourselves

Is the mood depressing us

Is the attractive unknown.

Out of the BLUE comes the news

Which rarely is a good one

And out of the BLUE we speak out

absurdity.

In times of plenty

Missing feels good.

(c) phm.2015

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Dank an Tom Elstermeyer (gaumengold) // Michael Frühbis (cooks connection) // Florian Bolk (Fotos) // Johan und Jana de Blank (Textauswahl und Location) // Jonas Reuber (Das Leben als Leser) // Franziska Hauser und Karl-Heinz P. Kohn (Preisträger) und an unsere zahlreichen hungrigen Gäste. Gerne wieder mit Euch allen 🙂

phm. 13. Mai 2015

GUIBERT kehrt zurück

In Paris war schon lange niemand mehr gesteinigt worden.

Guibert ließ sich seine Faszination für den seltsam verrenkten Körper zu seinen Füßen nicht anmerken, um den er nun wie ein Marabu herumschritt. Es wurde gekreuzigt, das ja. Und vor Jahren war ein Mann in seiner Badewanne geschächtet worden in der nördlichen Banlieue, auch das. An den Fall des geblendeten Polizisten wollte Guibert jetzt gar nicht denken. Denn all das waren über Jahrzehnte gestreute Wildwüchse seiner ansonsten recht eintönigen Ermittlungsarbeit. Der Facettenreichtum der Tötungsarten in dieser Stadt hielt sich in Grenzen. Religiöse Rituale beim Morden tendierten gar gen Null. Vielleicht lag es am fehlenden Glauben der Menschen, denn wer wider des Fünften Gebotes töten oder einem Menschen die Offenbarung in die Haut schnitzen wollte, sollte zumindest mit dem Inhalt dieser heiligen Schriften vertraut sein, um die Tat als eine Schöpfung zu hinterlassen und nicht als schnöde Verrichtung…

Wer meinen „Zweisiedler“ gelesen und meinen schrulligen Freund, Kommissar Guibert vom 36, Quai d´Orfèvres in Paris kennen gelernt hat, kann sich auf ein Wiedersehen mit ihm freuen: „Das Fest“ aus „Sakrament des Todes – 13 Morde auf heiligem Boden“ erscheint im Oktober 2014 beim fhl-Verlag.  Tatzeit und -ort: Der 850. Geburtstag von Notre Dame de Paris.

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Premierenlesung zur Ladie´s Crime Night am 28. September 2014 in Berlin. (Details unter CHAMÄLEON on tour)

 

 

DAS CHAMÄLEON und ZWEISIEDLER in der Kritik…

…aber in ziemlich guter!

Allen LeserInnen auf Lovelybooks von „Die Einsamkeit des Chamäleons“ und „Zweisiedler“ ein großes Dankeschön und virtuellen Schampus für Eure Rezensionen.

„Mein Beruf schließt die Verpflichtung ein, Vorwürfe geduldig zu ertragen“, etwas frei nach George Pompidou.

Zum Glück wird diese Art von Geduld nicht zu sehr strapaziert, auch dafür Danke 🙂

Hier gehts zum Link: http://www.lovelybooks.de/autor/Patricia-Holland-Moritz/

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