Nicht die Hoffnung stirbt zuletzt. Danach kommt noch die SPD.

Leute, wir sind bei 17%. Das schaffen weder Graue Panther noch die restliche Tierschutzallianz. Wir sind auch stärker als die Violetten mit ihrer spirituellen Politik, haben die Partei für Gesundheitsforschung haushoch überflogen, auch die ÜberPartei der Bergsteiger haben wir gnadenlos abgehängt. Da ist viel Musike drin, was soll uns denn jetzt noch passieren? Dem Außenseiter AfD haben wir bei unserem Höhenflug sogar noch auf das Siegertreppchen geholfen. So sind wir nämlich, wir Genossen: immer für den anderen da. Selbstlos. Machtlos. Ziellos.

Und falls jetzt nochmal einer fragt: ja, ich bin trotzdem noch drin. Weil so eine Partei eben keine Facebookgruppe ist, die ich wütend verlasse, weil der aufgeklärte Rainer die Regeln geändert hat und nun doch keine Postings mit Foodporn nichtveganen Inhalts akzeptiert.

So eine Partei ist auch keine Gesichtsmaske, die ich mir auflege und wieder abrubbele, sobald es ä bissl zu jucken beginnt. Die zehn Minuten muss ich schon durchhalten, sonst bröckelt mir die Verjüngung im Ausguss weg.

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Ja, es ist Mist und ja, ich wünschte mir auch eine Chefin, die als Rampensau mehr als einen Pippi Langstrumpf-Song drauf hat und nicht über alle Maaßen und Köpfe hinweg Entscheidungen mitträgt, die soviel Mut brauchen wie ein Panzerfahrer beim Überwinden einer Barriere aus Nussschalen.

Aber meine SPD ist ganz einfach noch nicht weit genug unten, da geht noch weniger als 17%, und ich bin mir sicher, auch das schaffen wir. Denn erst, wenn der Daumennagel am Boden des Eimers kratzt, poppt die Gänsehaut auf, verteilt den Schauer auf der Haut und macht wach.

Währenddessen reißen wir uns in den Ortsvereinen weiter den Allerwertesten auf, rennen neben Job und Familie in die Ausschüsse für Bau und Gleichheit und Inklusion und ökologische Stadtentwicklung und Mieterschutz, machen Euch schöne Sommerfeste bei Freibier und halten den ABC-Schützen bei der Einschulung am Samstagmorgen auch gerne mal die Schultüte, während das eigene Kind zuhause beim Babysitter sitzt.

In Berlin kann SPD übrigens außer Nichtgewähltwerden auch Mindestlohn, Zuschüsse für Sozialmieten, höhere Investitionen in Krankenhausversorgung, Familienfördergesetz gegen Kinderarmut, verbilligtes Sozialticket und neue Hochschulverträge mit mehr Zuschuss. Nur klingt das alles leider nicht so sexy wie der schmatzende Sound der Häme. Gegen diese Art von Lärmbelästigung wende ich renitent das gleiche Mittel an: Einfach machen. Einfach weitermachen.

Mit nur einem Messer im Rücken gehen wir noch lange nicht nach Hause. Und ja, ich bin gekommen, um zu bleiben. Als Exoten werden wir doch irgendwann sowieso unter Artenschutz gestellt, und wer mich kennt, der weiß, wie ich diese Art von Aufmerksamkeit genieße.

Weniger sind mehr, heißt es doch so schön. Und ganz wenige sind dann die allermeisten.

Euer Spirit of Kasimir,

der sich heute mal das Parteibuch unter das Kopfkissen legt. (Bei der Zahnfee hat das mit der Belohnung schließlich auch geklappt.)

 

 

 

4 Kommentare zu “Nicht die Hoffnung stirbt zuletzt. Danach kommt noch die SPD.

  1. pierre s. olivier sagt:

    auch wenn es im eigentlichen leben immer weniger zum lachen gibt, deine kasimir-geschichten lassen mich für einige augenblicke vergessen, dass chaotischer ernst mein schattenmann geworden ist…

  2. Also, die SPD stirbt zuletzt. Mir, liebe Klak-Kollegin, gefiel Deine Aufzählung der Arbeitsergebnisse der SPD in der Praxis und Dein Resumé:

    „Nur klingt das alles leider nicht so sexy wie der schmatzende Sound der Häme. Gegen diese Art von Lärmbelästigung wende ich renitent das gleiche Mittel an: Einfach machen. Einfach weitermachen.“

    Bei reiflicher Überlegung sind obige Erfolge in der Praxis sexier als die Häme. Denn schon die Zunahme rechter Parteien und ihr Einfluss auf die Gesellschaft haben viel von dem freundlichen, solidarischen Miteinander zerstört, das eine Grundbedingung für soziale Gerechtigkeit und Politik ist.
    In Berlin sehen die aktuellen Ergebnisse z.B. bei der Verkehrswende für mich noch mager aus. Oder die Wohnungspolitik: Die Durchschnittsmiete bei „Deutsche Wohnen“ und Co. liegt nur knapp über der Miete, die öffentliche Wohnungsbaugesellschaften verlangen. SPD und Linkspartei haben damals bei hohen Zinsen und knappen Kassen die GSW verscherbelt.
    Heute wachsen die Bodenpreise ins Unendliche: Warum wird dem kein Einhalt geboten?

    Vor eins warne ich die fortschrittlichen, sozial verantwortlichen Parteien und Bewegungen: Bitte fahrt nicht übereinander her oder macht euch gegenseitig mies (und Wähler abspenstig): Der Gegner steht immer noch rechts (was Differenzen und Debatten ja nicht ausschließt).
    Dass Solidarität, Gerechtigkeit, Umweltbewusstsein, demokratische Selbstbestimmung, Freiheit heute beliebige Werte sind, stimmt doch überhaupt nicht. Die Klimakatastrophe wird das drastisch zeigen: Dann gibts keine Bäume mehr in Berlin, aber immer noch zu viele Autofahrer.

    Alles muss sich ändern, damit die wichtigsten Dinge so bleiben, wie sie sind.

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