Mein allererstes Krankheits-Posting

Facebook benutzt meine Daten, meine Gewohnheiten? Super! Hier meine öffentliche Botschaft an Pharmakonzerne und sonstige Lobbyisten des Gesundheitssystems und JA, ihr Humbug-Analyticas, bitte nehmt ZUGRIFF auf diese äußerst privaten Nutzerdaten, TEILT die Schande und WEIDET sie aus (und da mein GPS im Handy 24/7 angeschaltet ist, kein Problem für euch rauszufinden, wo überall ich mich heute aufgehalten habe, also go ahead FOLLOWING ME!):

Kleine Utopie, am ersten Tag der Osterferien mit entzündeter Arthrose einen Arzt zu finden. PAH! Hab ich schon erwähnt, dass ein aufgeblasenes Knie Schmerzen verursacht und einen Teil der entzündlichen Flüssigkeit als Schweiß auf die Stirn katapultiert? Hangel mich an Geländern und Häuserwänden entlang, mache Fahrstühle und Rolltreppen ausfindig in Ecken, die ich wegen der hohen Konzentration an Pisse bisher gemieden hatte (besteht ein stringenter Zusammenhang zwischen Blasenschwäche und Rollstuhlrampen?).

  • Friedrichstraße, Orthopäde meines Vertrauens: Leider gar nix mehr frei, alle im Urlaub, morgen 15 Uhr. – Ok, noch 30 Stunden bis dahin. Darauf eine Ibu 600.
  • Linienstraße, next exit: Hausarzt meines Vertrauens. Wünsche schöne Ostern, mich vertritt die nette Kollegin in der Dorotheenstraße. – Ok, waren ja nur 1000 Meter. Darauf ein Fishermen´s Friend.
  • Vor der Tür der netten Kollegin die Feststellung, dass sie a) nix Orthopädisches und b) erst in 2 Stunden aufmacht. Dafür nebenan ein … ORTHOPÄDE! Der aber erst in einer Stunde wieder zum Punktieren bereitsteht. – Ok. Ist dann ja nur noch 1 Stunde. Darauf ein Gaffel-Kölsch im Gaffel-Kölsch gegenüber. Iss ja schon Mittag, bin ja schon 3 Stunden auf den Beinen (minus einem entzündeten) unterwegs.
  • Pünktlich beim Orthopäden: Bin Notfall. Bin Schmerzpatient. Laufen nicht mehr möglich (liegt nicht am Bier). Sie lässt mich gar nicht ausreden, soll mich auf 3 Stunden Wartezeit einrichten. Sehne mich zurück ins Gaffel-Kölsch. Zwei Bunte und zwei Gala halten mich davon ab. Nach einer Stunde hab ich Sehnsucht nach Aufmerksamkeit. Und wenn es die einer Notaufnahme ist. Gehe in die Charité, sage ich. Ja, sagt sie lächelnd. Da warten Sie noch länger. Streicht mich – immer noch lächelnd – von der Liste, und ich möchte sie schlagen. – Ok. Sind ja nur 2000 Meter. Darauf ein Tempo an die Stirn und eine Ibu 400 auf Ex.
  • Am Wegesrand das Schild zur Orthopädischen Ambulanz Charité. Weil ich den Leuten mit Messer im Bauch nicht den Platz wegnehmen will, gehe ich lieber dahin. Weit gefehlt. Rothaarige übersieht die Tränen auf meiner Stirn und in mittlerweile auch meinen Augen und erklärt mir das Organigramm einer Universitätsklinik. Was ich hier also wolle, schnickschnack Schmerzen, das gehe so nicht. (Wenn im Gesundheitssystem Deutschlands der Ton die Musik macht, haben wir mehr zu überdenken als unsere Nationalhymne.) – Ok. Nun also doch das harte Programm und nochmal 1000 Meter. Ibu sind alle, kein Gaffel in der Nähe, also wieder ein Fishermen. (An meinem Atem isses bestimmt nicht gescheitert.)
  • Stehe vor der Tür der Notaufnahme. Hohes Gras zwischen  den Betonplatten. Wundere mich über die Ruhe. Ein Graffitikreuz sagt genau das: Ruhe sanft. 26.10.2016. Die sind also umgezogen. Hangel mich neben einem Penner an der Wand entlang und beneide den Typen in seiner Suffsorglosigkeit. Wir haben den gleichen Weg. Aber ich bin die schnellere von uns beiden Lahmen.
  • In der neuen, ganz frischen Emergenzia dann nach zwei Aussortierungen ein weißes Bändchen am Arm wie meine Tochter zu ihrer Geburt hier vor 23 Jahren, zu meinem fußballdicken Knie und mir Simulantin sagt der Arzt wie auf Speed: Haben Sie es schon mit Ibuprophen versucht? Oder an ein künstliches Kniegelenk gedacht? An den Krücken, die er mir als Notbehandlung mitgibt, möchte ich ihn kreuzigen. Frohe Ostern sage ich noch.

Bin ganz friedlich. Habe ja in petto noch den Termin beim Orthopäden meines Vertrauens, bis zu dem es nun nur noch 16 von ehemals 30 Stunden sind. Darauf eine Thrombospritze und eine Ibu 600, die ich zuhause noch gefunden habe. – So, ihr Datentrüffelschweine, nun teilt das auch bitte allen mit, dann sind wir wieder Freunde.

Euer Spirit of Kasimir

 

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4 Kommentare zu “Mein allererstes Krankheits-Posting

  1. Hartmut Topf sagt:

    Mein Bei(n)leid und Mitgefühl…… Hatte mal ähnliches akutes Problem und fand beste Hilfe (auch als Schmerzpatient und akut in Nöten) beim MVZ Vitalis in Alt Buckow (Tel. 67065690) Orthopädisch-chirurgisches Zentrum etc. reiche Website, sehr freundliche Fachleute ….. Alles Gute, Hartmut Topf

  2. Gudrun Jänisch sagt:

    Liebe Pat, ich fühle mit dir , habe mal Ähnliches bei starken akuten Ohrenschmerzen erlebt…
    Trotz der Beschreibung deines Leidenweges (ist ja bald Ostern) musste ich leise lächeln. Du hast es wunderbar und mit „schmerzlichem“ Humor geschafft, die Tücken unseres Gesundheitssystem aufzuzeigen.Ich hoffe und wünsche, dass der Orthopäde Deines Vertrauens Dir geholfen hat. Ansonsten kann ich nur sagen: Bloß nicht krank werden, lieber unheilbar gesund bleiben.
    Ich wünsche Dir und deiner kleinen family ein arthrose- und schmerzfreies Ostern. Bei dem angekündigtem Wetter ist ein Osterspaziergang vielleicht auch ohne Arthrose kein Vergnügen.
    Alles Liebe guko

  3. Jürgen Blind sagt:

    Liebe Pat,

    ich hoffe Du bist inzwischen wieder beweglich und schmerzfrei! Das Knie kann einen schon (fast) „in die Knie“ zwingen…
    Liebe Grüße, Jürgen

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