Frau Hempel, Praxis Doktor Mehlbeutel oder Remembering the good old times of Quartalsende.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

„Hempel, Praxis Doktor Mehlbeutel, juten Tach!… Watt?… Watt sachn Sie?… Ach so… Jehmse mich ma

„Hempel, Praxis Doktor Mehlbeutel, juten Tach!… Watt?… Watt sachn Sie?… Ach so… Jehmse mich ma ihrn Nahm!… Schröder… Wie der alte Kanzla, wa? … Mit t… Nee, t hatte der nich, een inn Tee höchstens, hahaha. Okeh. Jeht in Ordnung. Watt? Nee, dett schaff ick heute nich. Da müssense anderma vorbeikomm, nich heute. Heute iss neuet Quartal. Da stehn die nur so an.“

Zu denen, die nur so anstehen, gehöre auch ich. Und heute ist neues Quartal. Überweisungsscheine werden über den Tresen gereicht, dann winkt Schwester Monika, wie Frau Hempel in meinem Herzen heißt, den Nächsten zu sich heran.

„WAR WATT NICH IN ORDNUNG MIT DIE ÜBERWEISUNG ZUM HAUTSKRIENING, HERR MÜLLER?“, brüllt sie den armen alten Mann vor mir an.

Dieser antwortet mit ruhiger Stimme: „In Ordnung war das schon. Die wussten nur nicht, um welche Stelle auf dem Körper es sich handelt. Das hatte der Doktor wohl nicht mit draufgeschrieben.“

„DENN MÜSSENSE LEIDA NOCHMA RINN BEI IHN!“, brüllt Schwester Monika nun so laut, dass sie das Telefonklingeln überhört.

Erst als der Mann ganz leise „Das geht schon in Ordnung“ entgegnet, greift sie genervt zum Hörer.

Er dreht sich um auf seinem Weg zum Wartezimmer, und ich sehe das Hörgerät hinter seinem Ohr.

„HEMPEL, PRAXIS DOKTOR MEHLBEUTEL, JUTEN TACH!“, brüllt sie nun, dass es nur so kracht und es der armen Kreatur am anderen Ende wohl das Trommelfell zerfetzt. „´tschuldigung. Watt hamse jesacht?“, fährt sie etwas leiser fort. „Na Ihre Blutwerte sinn ja schon längst wieda da vom Labor. Der Doktor dachte ja erst, er kriecht ne Alkoholvajiftung, als er Ihre Leberwerte sah. Watt hamwa jelacht! Nee nee, kommse ruhich vorbei. Ditt hat ja manchmal total harmlose Gründe. Machense sich ma nich zu viele Sorjen. Nee, heute kommse ma lieber nich. Hier steht grad alles voll von Leuten.“

Der Alkoholiker am anderen Ende hat offensichtlich grußlos aufgelegt, denn Schwester Monika starrt entsetzt auf den Hörer, bevor sie ihn behutsam wie ein rohes Ei wieder auflegt.

 

© Patricia Holland Moritz / phm.2016

 

Advertisements

Werkstattbericht “Perlmutter” – Vom Entstehen eines Romans – Part Two – Immer passierte was

paris st germain.phm 2005

Paris, St. Germain des Prés 2005

***

Perlmutter

oder

Das kurze Leben der Madame Beauvoir

 Roman

Immer passiert irgendwas

Ihr veränderter Tonfall am Telefon war mir aufgefallen. Ich griff zum Laptop. Easyjet one way Paris für sofort, bitte. Dann flog ich zu ihr und ihren Knoten.

Mutter sagte: Immer wenn du bei mir in Paris bist, passiert irgendwas! So auch diesmal.

Am Sonntag fuhr sich Schauspieler Jocelyn Quivrin auf der Péripherique tot. Am Mittwoch blieben wir im Bus zum Place Monge hängen. Am selben Abend die Hand Gottes (und Thierry Henrys) gegen Irland; Frankreich fuhr zur Fußball WM und Irland nicht. Am Donnerstag wurde das südkoreanische Topmodel Daul Kim erhängt in seiner Wohnung am Montmartre aufgefunden. Am Freitag Schießerei am Gare du Nord. Am selben Tag entdeckten wir den Einbruch in Mutterns Auto. Am Samstag geriet die Fahrt per RER nach St. Michel zum Nerventest, als wir für zwanzig Minuten im Dunkeln feststeckten.

Meistens ging auch in ihrer Wohnung etwas kaputt wenn ich gerade da war. Am Sonntag explodierte der Seifenspender im Bad. Da war ich allerdings gerade zur Tür raus. Aber wenigstens hatten wir uns nun nicht ständig mit ihren Laborwerten befasst.

***

Work in progress. Roman in Arbeit.