Werkstattbericht “Perlmutter” – Vom Entstehen eines Romans – Part One – Das Sterben

Mama 1967

Meine Mutter. Mme Elke Olivier. 1967

***

Perlmutter

oder

Das kurze Leben der Madame Beauvoir

 Roman

Das Sterben

Es war ein sonniger Februartag, und als ich um 18.02 Uhr zum ersten Mal wieder auf die Uhr schaute, wusste ich, dass meine Mutter starb. Ich saß neben ihr am verstellbaren Heilbett und trank Flensburger Bier aus einem Coca Cola Glas. Ich wollte es nicht wahrhaben, dass es meine Mutter war, die da von mir ging. Und es fiel mir leicht, es nicht wahrzuhaben, denn meine Mutter sah nicht mehr aus wie die Frau, die ich kannte, deren Stimme und Wortschöpfungen mir vertraut waren und die ich gut riechen konnte. Wir würden uns nicht die legendären letzten Worte hinterlassen, im Gegenteil, seit langem konnte sie sich nicht mehr artikulieren, und an jenem Februartag klang sie wie ein waidwundes Tier, das im Graben liegt und auf Erlösung wartet. Gibt es die letzten Worte? Und sind wirklich so viele Menschen in den Armen ihrer Lieben friedlich eingeschlafen? War es oft nicht doch ein jämmerliches, einsames Ersticken, während der Rest draußen schnell eine Zigarette rauchte?

Die berühmten letzten Worte vernahm ich noch in Paris, als wir den Umschlag mit den Tumormarkern aufgerissen hatten und sie sagte „Das kann´s doch nicht gewesen sein.“

Und nun musste es das doch gewesen sein. Ihr letztes Bier im Leben war also ein irisches Kilkenny, und das hat sie noch nicht mal selbst rausgesucht, sondern ich für sie, genauso wie die T-Shirts und Schlabberhosen, die ich dem Pflegedienst morgens raus legte und die nun seit Monaten als Ersatz für ihre geliebten Kleider herhalten mussten. Es folgten drei tiefe Atemzüge, und einer war der Letzte, der Allerletzte. Meine Gedanken gingen dann in eine ungewöhnliche und doch ganz selbstverständliche Richtung, die ja schon vorgelegt war wie ein Pfad ausgetreten ist: Wen rufe ich? Wen rufe ich an? Später sagte mir jemand, einer der schnell Herbeigeeilten: Öffne das Fenster, die Seele muss raus…

***

Work in progress. Roman in Arbeit.

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Ein Kommentar zu “Werkstattbericht “Perlmutter” – Vom Entstehen eines Romans – Part One – Das Sterben

  1. Ilse Biberti sagt:

    sehr berührend liebe Patricia…. für mich besonders …. Du weißt warum… herzlich Grüße, Ilse

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