I wonder why they never met. Dylan Thomas and Sylvia Plath. (article in German)

October the 27th was an historic day for English poetry, because two poets who would leave a lasting mark on English literature – neither of whom was English – came into the world on this day. The course of twentieth-century literary history would be shaped by these two births… (source: interestingliterature.com)

Dylan Thomas (* 27. Oktober 1914 in SwanseaWales; † 9. November 1953 in New York City)

Sylvia Plath (* 27. Oktober 1932 in Jamaica Plain bei BostonMassachusetts; † 11. Februar 1963 in Primrose HillLondon)

By the way… Painter and poet Frieda Hughes – daughter of Sylvia Plath and Ted Hughes lives in Dylan Thomas´ barnstable: rural Wales, since having lost mother, father and brother…

Blaenau ffestiniog, Gwynedd © James Morris

Caitlin Thomas‘ Autobiographie “Mein Leben mit Dylan Thomas” hat mich damals in Wut versetzt, wie es kein Buch  zuvor geschafft hatte. Einerseits so großartig geschrieben, was eigentlich sie als die literarische Größe neben dem walisischen Dichter späten Erfolges offenbart. Wie sie über seinen Vater schreibt:

Über D.J. sollte man nicht weinen müssen, dennoch gibt er dazu Anlaß. Er hatte nichts, was sein Eigen war. Es ist traurig zu sehen, wie fehl am Platz manche Menschen sind, die eine große Begabung haben…

Und über ihren eigenen Glückszustand an seiner Seite, Glück, ein Wort, das sie schon damals für überschätzt hielt oder zumindest als erstrebenswerten Zustand anzuzweifeln wagte:

Man merkt es eigentlich nie wirklich, wenn man glücklich ist; ich jedenfalls nicht: ich merke es immer erst rückblickend – habe große Schwierigkeiten, Umstände spontan zu erleben…

Über diesen pragmatischen Umgang mit der Armut und der absurden Dekadenz, die daraus entsteht:

Als wir im Mai 1949 ins Boat House zogen, mußten wir einen Möbelwagen bestellen, was wir noch nie getan hatten: Wir ließen unser Habe immer zurück, weil wir uns ihren Transport nicht leisten konnten…

Dylan Thomas_writing shed by (c)Geoff Charles

Andererseits beinah apathisch anmutende Aufzählungen von Schwangerschaften, mit denen sie Dylan erpresste, von Liebhabern, mit denen sie ihn verletzte – nach der Chronologie im Buch musste sie jeweils hochschwanger gewesen sein oder gerade entbunden haben; und dann jene Schilderung einer Abtreibung im 6. Monat, weil beide das Geld für eine USA-Reise brauchten und nichts für einen Balg übrig hatten. Dieses Zerhacken des Kindes beim Herausziehen und dieses dann einfach Weiterleben – war Kälte tatsächlich das Wesen dieser Beziehung? Diese hielt sich über siebzehn Jahre und vier Kinder, durch Suff und Armut hindurch und das schiere Explodieren Dylans dichterischer Phantasie, die er, der „Rimbaud von Cwmdonkin Drive“, am Ende mit sich zusammen in Selbstzweifel und Whisky ertränkte. Es war Kälte, in der Dylan Thomas seine Poesie lebte, und so trunken und dunkel sie auch scheint, wärmt sie mich doch beim Lesen.

dthomas

Diese Ignoranz des eigenen Lebens, jenes Reichtums an Möglichkeiten, lese ich auch bei Sylvia Plath und möchte ignorieren, dass es Krankheit gibt und Depression, die einem den ganzen Reichtum ins Gegenteil umkehrt: in seelische Armut, Leere und Finsternis, während die Sonne nur so auf einen herablacht.

Frank Zumbach

Im Vorwort zu der Ausgabe der Tagebücher schreibt Frances McCullough:

Plath selbst nannte ihr Tagebuchschreiben einmal „eine Litanei der Träume, der Weisungen und der Imperative“ und, präziser, ihr „Sargasso“, womit sie ein Reservoir für ihre Phantasie meinte, ein Herauffördern dringlichen Materials aus dem Unterbewußtsein, das auf diesen Seiten erstmalig ans Tageslicht kam.

Plath studierte am Smith-College, bekam ein Begabtenstipendium und die ersten Literaturpreise und war doch wie jeder, der schreibt – egal wie gut und erfolglos – von Zweifeln zerrissen und dabei, das eigene Revier zu markieren:

Bin neidisch, eifersüchtig, voll Boshaftigkeit. Lese die sechs Lyrikerinnen…. Langweilig, schwülstig… nicht besser als ich, und veröffentlicht haben sie auch nicht mehr. Ich spüre in mir die versteckte, rechtschaffene Bosheit einer Frau mit besseren Gedichten als die, mit denen andere ihren Ruhm erwarben.

So zu empfinden kostet Kraft; Gedanken wie diese geben der Lethargie keinen Raum. Sie halten das Blut am Pulsieren, und ist es auch aus Wut auf andere und am meisten auf sich selbst. Doch das Leben geht weiter, weil da noch viel zu viel Energie ist, die verbraucht sein will.

Ihre letzten Zeilen hingegen – bevor sie ihrem Leben mit 30 Jahren ein Ende setzte – sie gaukeln das Leben nur vor, mit dem sie doch längst abgeschlossen hatte. Gaukeln es uns hinterbliebenen Voyeuren vor, damit wir die Dimension dieses Schrittes noch um einiges dramatischer empfinden mögen, als er es sowieso schon ist (aber so sind sie wohl die Autoren, der Wirkung ergeben bis zum letzten Punkt am Satz.):

Entdeckte frischgeschlüpfte Amseln in der Hecke, sie waren leuchtend grün, pulsierten wie Herzen. Verabredeten uns bei Mrs. Macnamara auf einen Imbiß in vierzehn Tagen.

Cheers on you, Sylvia and Dylan, die uns Schreibern und Lesern in ihrer Verzweiflung das Beste hinterlassen haben, was sie uns geben konnten: Wurzeln, an denen wir wachsen. © phm.2015

Dylan Thomas

Do not go gentle into that good night,

Old age should burn and rave at close of day;
Rage, rage against the dying of the light.
Though wise men at their end know dark is right,
Because their words had forked no lightning they
Do not go gentle into that good night.
Good men, the last wave by, crying how bright
Their frail deeds might have danced in a green bay,
Rage, rage against the dying of the light.
Wild men who caught and sang the sun in flight,
And learn, too late, they grieved it on its way,
Do not go gentle into that good night.
Grave men, near death, who see with blinding sight
Blind eyes could blaze like meteors and be gay,
Rage, rage against the dying of the light.
And you, my father, there on that sad height,
Curse, bless, me now with your fierce tears, I pray.
Do not go gentle into that good night.

(source: The Collected Poems of Dylan Thomas: The New Centenary Edition)

Sylvia Plath

Ariel

Stasis in darkness.
Then the substanceless blue
Pour of tor and distances.
God’s lioness,
How one we grow,
Pivot of heels and knees!—The furrow
Splits and passes, sister to
The brown arc
Of the neck I cannot catch,
Nigger-eye
Berries cast dark
Hooks—
Black sweet blood mouthfuls,
Shadows.
Something else
Hauls me through air—
Thighs, hair;
Flakes from my heels.
White
Godiva, I unpeel—
Dead hands, dead stringencies.
And now I
Foam to wheat, a glitter of seas.
The child’s cry
Melts in the wall.
And I
Am the arrow,
The dew that flies
Suicidal, at one with the drive
Into the red
Eye, the cauldron of morning.

(Sylvia Plath, “Ariel” from Collected Poems. Copyright © 1960, 1965, 1971, 1981 by the Estate of Sylvia Plath. Editorial matter copyright © 1981 by Ted Hughes. Used by permission of HarperCollins Publishers; Source: Collected Poems (HarperCollins Publishers Inc, 1992)

Abbildungen:

Blaenau ffestiniog, Gwynedd © James Morris

Dylan Thomas_writing shed by © Geoff Charles

dylanthomas100.org

poets.org

mirror © Frank Zumbach

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