Krügers Farbenleere: Kunst und Kulinarik im Dialog

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Über BLAU zu schreiben ist wie sich in den Zustand hineinsaufen. Ist eine Reise in die Traurigkeit, von der du erleichtert zurückkehrst.

BLAU fühlt sich so weit wie Ozeane und der Himmel an und zugleich so hauteng wie der Kittel einer Lidl-Kassiererin. Das allein ist verstörend genug.

Doch erst im Fehlen von BLAU spürst du den Mangel, der sich kaum aushalten lässt. BLAU ist ein Zustand… was haben wir gelacht. BLAU ist die Stimmung, von der wir uns deprimieren lassen. BLAU ist das Unbekannte, das uns lockt. Aus dem BLAUen kommt die Nachricht, die selten Gutes bedeutet. Und ins BLAUe hinein reden wir, was uns an Unsinn einfällt. In Zeiten des Überflusses ein Fehlen zu durchleben ist das Abenteuer, das Krüger durchlebt…

Premierenlesung am 7. Mai 2015 in der Cooks Connection Berlin-Charlottenburg

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Foodporn und Poetry – was auf´s Ohr und auf den Gaumen gab es an diesem kulinarischen Abend mit dem Berliner Sternekoch Tom Elstermeyer und unseren Texten zu den Farben BLAU ROT GELB, die sich tatsächlich in einem literarischen Wettbewerb durchgesetzt hatten, ausgeschrieben von Literaturagent Johan de Blank (Wortspiele) und dem Zeitschriftenverleger Jonas Reuber (Das Leben als Leser).

Es lasen: GELB – Franziska Hauser “Raja im blauen Sarg”, ROT – Karl-Heinz P. Kohn “Bottrop State of Mind”

und BLAU – Patricia Holland Moritz “Krügers Farbenleere”.

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Und hier geht es zu meiner Kurzgeschichte / (c) phm.2015:

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 BLUE

To dive into the BLUE

Is a trip into sadness

Is a return of relief

Is as wide as the oceans are

Covered with sky

Is as tight as the coat of a Lidl cashier

And disturbing enough.

Worse than it all

Is the missing BLUE

A missing link

We can hardly endure .

BLUE is the state

Into which we love to drown ourselves

Is the mood depressing us

Is the attractive unknown.

Out of the BLUE comes the news

Which rarely is a good one

And out of the BLUE we speak out

absurdity.

In times of plenty

Missing feels good.

(c) phm.2015

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Dank an Tom Elstermeyer (gaumengold) // Michael Frühbis (cooks connection) // Florian Bolk (Fotos) // Johan und Jana de Blank (Textauswahl und Location) // Jonas Reuber (Das Leben als Leser) // Franziska Hauser und Karl-Heinz P. Kohn (Preisträger) und an unsere zahlreichen hungrigen Gäste. Gerne wieder mit Euch allen 🙂

phm. 13. Mai 2015

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Neulich in der Ringbahn: Die Zahnlückenjohnnys – Part Three

Die Truppe heute auf dem Weg ins Naturkundemuseum.  Brotdosen und Leuchtwesten und rote Backen.

“Ick weeß ja sogar, watt die Dinosauria für´ne Hautfarbe hatt´n!”, behauptet der mit der größten Ähnlichkeit mit Robert „Robbie“ Mark Sinclair von den “Dinos”.

„Woher willst´n dett wiss´n?“

„Na, dett weeß doch jeda! Die warn braun oda so jrünlich.“

„Ja, aba woher willstn dette wissn? Dett in Fernsehn iss ja allet nur Compjuta-Animation. Ham die schonma een mit Haut ausjegrahm? Die findn doch imma nur Knochn! Die Haut hält sich ja jarnich so lange! Unn dett olle Skelett, watt da inn Museum steht, dett hat dunkelbraune Knochen und helle Knochen. Und weeßte warum?”

Jetzt wiederum ist Robert „Robbie“ Mark Sinclair mit dem Staunen dran.

Sein kurzes Gegenüber mit den Schneidezähnen eines Urzeit-Hamsters rückt sich schonmal wichtigtuerisch die Leuchtweste zurecht: “Na, Mensch, die dunkelbraunen sind die echten. Und die hellen Knochn sinn jefälscht!“

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photo: Robert Doisneau. Paris