Neues aus dem Katzenklo

„Das waren noch Zeiten…“ – Ein solcher Einstieg deutet entweder auf Reife hin oder auf totale Resignation.

Als ich kürzlich das Katzenklo von Nezze Holland-Moritz (den Lesern meines Blogs bekannt unter seinem Internetpseudo John Smith) auffrischte, musste ich an den Vorspann jener Serie der frühen 80er denken…

1_Lou Grant

… und an Philly-Sound zu Bildern von Baum, Sägewerk, Papierpampe, Schreibbüro der L.A.Tribune, Druckmaschine, Papierstapel und – einer Zeitung, die am Ende in einem Vogelkäfig landete und dort mit all ihren bereits veralteten News dem Wellen-Bubi als Kotabwurfplatz diente.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA  Oranienburger Straßensperling © phm 2012

Nezzes Aldi-„Klumpstreu“ würde normalerweise bis zum Plastikboden durchnässen und dort schmierige Bakterienallianzen eingehen, wäre da nicht ich mit meiner Lou Grant-Nostalgie und legte – in Ermangelung eines Vogelkäfigs (mein Vogel braucht keinen) – regelmäßig die gelesenen Tageszeitungen als Pullerpuffer drunter. Das Ganze hat den Nachteil, dass ich mich jedes Mal beim Kloputzen in den Zeitungen festlese und Nezze währenddessen zum Pullern in die Badewanne geht.

Diesmal war es besonders schlimm: Aus allen Kanälen brüllte Der-Mann-der-nach-der-Oma-kam-Winfried Glatzeder völlig verwahrlost auf einer als Dschungel getarnten Herrentoilette herum – „Booohnen! Das sind die Bohnen! Das ist gewollt! Ich habe Larissa geohrfeigt! Aber nicht ins Gesicht! Dieses hat ihr nie nich weh getan! Das sind die Bohnen! Ich hätte Larissa eigentlich prügeln sollen!“ Aufgrund von Fernsehunterhaltung diesen Kalibers war mir die Zeitungslektüre der letzten Tage völlig durch die Hirnlappen gegangen und das Druckwerk wäre beinah ladenfrisch unter 10 Kilo Streu verschwunden.

Heute ist mir klar, warum mein Kater noch immer in die Badewanne zum Pullern geht… Die Zeitungsmeldungen unter seiner Streu sind noch unappetitlicher als seine Hinterlassenschaften, und das will bei Nezze was heißen.

Kaum hat die SPD Oberwasser (immerhin hat Steinmeier nachträglich noch die Bundestagswahl als beliebtester Politiker gewonnen) und den Genossen geht es prozentual besser als den Christen, zieht einer die Klospülung und NSU-Untersuchungschef Edathy taucht auf und gleich wieder ab. Als er „aus gesundheitlichen Gründen“ sein Bundestagsmandat niederlegte, meinte er wohl vorausschauend die Gesundheit Schutzbefohlener, und die ganze Große Kopulation geriet aus der Diäten-Diskussion direkt hinein ins Wanken. Plötzlich ging es bei unseren Vertretern nicht mehr um Lohnerhöhung, sondern darum, morgen überhaupt noch einen Job zu haben, und das ist gut so!, um es mit dem Regierenden Wowereit zu sagen. Der urlaubte weiter, obwohl Kultursenator Schmitz bei total guter Kulturarbeit für Berlin (die eigentlich nur seiner Jobbeschreibung entsprach) total viel Geld im Ausland bunkerte, als ob´s die gute alte Sparkasse nicht drauf hätte. Und irgendwie war Wowi auch immer noch im Urlaub, während er auf der entsprechenden Pressekonferenz weder Rede noch Antwort stand.

Momentan hat Berlin also keinen Kultursenator, Deutschland keinen Agrarminister und der Frauenbewegung ging ihre Vortänzerin verloren. Dabei hatte Alice Schwarzer ihr Geld nur in der Schweiz gebunkert, um im Notfall dorthin flüchten zu können. Ja, glaubte sie wirklich, die Eidgenossen würden sie nach ihrem Referendum noch als Flüchtling aufnehmen? Der Schweizer Olympiasieger im Snowboarden, Iouri Podladtchikov sollte mitsamt seinem Edelmetall ebenfalls gleich in Russland bleiben, um sich die peinliche Prozedur eines Einreiseersuchens in sein Heimatland zu ersparen.

Fröhlich wird es ganz bestimmt auf der Leipziger Buchmesse mit dem diesjährigen „Gastland Schweiz“:

«Ich freue mich darüber, dass sie mit dabei sind, die Tessiner, die Welschen, die Romanen. Wir könnten uns gegenseitig daran hindern, typisch zu werden.» sagt Peter Bichsel,

 3_Bichsel © Peter Bichsel 2011

…und es bleibt zu hoffen, dass sich die Schweizer Vielfalt mit dem Votum nicht erledigt hat. Dabei mag ich Voti! Habe heute schon mindestens zehn Petitionen unterschrieben, weiß zwar nicht mehr ob ich nun für die Hebammen war und gegen den Gen-Mais, ob ich einen Lanz gebrochen oder einen Gurlitt gefälscht oder ganz einfach für die Einführung von Rostflecken auf Plastikbechern gestimmt habe – aber es fühlt sich verdammt gut an! Gerne wäre ich auch bei den sich anbahnenden Wiedervereinigungen von Zypern und Korea (also – nicht miteinander, sondern jeweils, Mensch!) das Zünglein an  der Waage, denn Macht fühlt sich großartiger an, als nichts zu machten. Und Macht macht sexy: Francois Hollande, vor Wochen noch so charismatisch wie eine laktosefreie Käsescheiblette, stürzte sich behelmt in Amouren als gäbe es kein Morgen und als gäbe es schon gar keinen Roten Knopf, den er als Oberbefehlshaber des Französischen Heeres kraft seiner Bouillabaisse jederzeit drücken könnte. Das komplette 11., 19. und 20. Arrondissement von Paris müssen im Tiefschlaf gelegen haben, um sich die Chance entgehen zu lassen, ihren quasi ungeschützten Staatschef mal eben zur Durchsetzung mittlerer Forderungen vom Trottoir weg zu entführen. Mittlerweile als Single bei Obama stand neben Hollandes auch Trierweilers Name noch mit auf der Einladung, und mir drängte sich die Frage auf: Hat auch die NSA mal gepennt oder wissen die schon wieder mehr als wir?

Wenn es im Bundestag den Traumtitel „Doktor“ für CDU-Mann Andreas „B“ Scheuer“t“ gibt und  die CSU ihrem Markus Söder die Orwellsche Bezeichnung „Chief Digital Officer“ verleiht, vote ich hiermit für die Einführung von Phantasieuniformen. Militärische Einsätze weltweit kämen viel farbenfroher daher. Vielleicht sollte ich auch für mehr Phantasie voten und sie den Menschen endlich zugestehen, die sie mir eh schon als Wahrheit verkaufen wollen: Edathy hat Kinderbilder für ein Kinderbuch bestellt, die Gelben Engel fliegen nur private Strecken, wenn sich im Luxushotel am anderen Ende ein Unfall ereignet hat…

4_ADAC ADAC hier beim Spielplatzeinsatz „Gelbe Wolke“ © O. Jorzik 2014

… gleich nach dem Bier mit Gabriel wollte Friedrich Angela anrufen, und Victoria Nuland wollte nicht „F**k the EU“ sondern „Let´s join them“ sagen.

Phantasie ist auch vonnöten, sich vorzustellen,  dass das Gericht über eine Klage der NPD zum Wahlmodus des Bundespräsidenten verhandelt, während beim gleichen Gericht der NPD-Verbotsantrag der Bundesländer vor sich hin dümpelt und dass sich Ex-Bundespräsident Wulff nur an Sponsorenurlaube erinnert, wenn es nicht seine eigenen sind.

Dann hätte ich aber auch gern genau die Droge, auf der die Typen sind, die meine Katzenklo-News fabrizieren.

In diesem Sinne – Let´s joint!

Euer

Spirit Of Kasimir

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2 Kommentare zu “Neues aus dem Katzenklo

  1. Wollentarski, Norbert sagt:

    Herrlich wieder einmal
    Ich hatte schon einige Vorfälle vergessen, denn jetzt ist ja nur noch die Edathy-Affäre und ihre Folgen auf allen Kanälen.
    Weiter so.
    Wolli

  2. Gudrun Jänisch sagt:

    Lieber Spirit, wie gut, dass es dich gibt, endlich jemand, der das ganze Kuddelmuddel in der Politik erklärt und zwar so, dass man seine helle Freude daran hat. Das Leben wäre doch sooo langweilig ohne die Skandale und Einlagen unserer Promis – und gut , lieber Spirit, dass du immer noch selber das Katzenklo reinigst und keine Fachkraft aus Polen engagierst, für die du keine Steuern zahlst. Oh je, da fällt mir ein, die Steuererklärung steht an,wie unangenehm, bei mir gibts einfach nichts zu hinterziehen.
    Grüße deinen Kater!
    gu

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