BLACK SABBATH, JOHN SMITH & Die Genehmigung des Einfangens von Wirbeltieren

What is this that stands before me?
Figure in black which points at me
Turn around quick, and start to run
Find out I’m the chosen one
Oh nooo!
(„Black Sabbath“ by Black Sabbath)

Udo Rasenmacher poliert gerade im Hof an seinem Land Rover Sondermodell Defender „Experience Bolivien“ herum, als ich im Badeschlappentempo an ihm vorbeischwurbel.

„Watt macht´n ihr anjeblicher Fremdkater?“

Die Stimme aus dem Off. Ich stehe wie zum Kratzbaum erstarrt.

„Der tanzt grad auf meinem Balkon zum Takt der Selbstschussanlage, daher bin ich etwas in Eile, lieber Herr Rasendmacher.“

Udo Rasenmacher schaut kulant über meinen Freudschen Versprecher hinweg auf sein babypoglattpoliertes Autodach. Ich setze zum Weiterrennen an.

„Momöntchen. Sindse sicha, dass es sich um einen Kater und nicht um einen Waschbären handelt?“

Alles jenseits der männlichen Geschlechtergrenze Geborene wird von ihm per se zum retardierten Dunzelhuber erklärt, daher wundert mich die Frage nicht.

„Ich kann einen wohlgenährten schwarzen Kater mit weißem Punkt auf der Schnauze von einem Waschbären unterscheiden, glauben Sie mir!“

„Ich sachs ja nur weil, ditt denn nämlich nicht unsa Problem wär.“

Der Problembär… schießt es mir durch den Kopf, und ich weiß, worauf Udo Rasenmacher in seiner verblüffenden Pragmatik hinauswill.

„Denn wär ditt nämlich Natur. Also, Wildnis. Also jedenfalls nischt, watt die Hausverwaltung betrifft.“

„DAS DA IST KEINE WILDNIS, DAS IST EIN MARKANT URINIERENDER KATER ZUVIEL IN MEINER WOHNUNG!“

Ich brülle so laut, dass spätestens jetzt Black Sabbaths Besitzer gehört haben muss, dass es um ihn geht und ich mir den Aushang im Haus sparen kann. Tatsächlich wird oben ein Fenster zugeschlagen.

„Iss ja jut, iss ja jut… Wir fangen Sie den schon ein. Nur…“

Man gewöhnt sich an allem. Auch am Dativ. Ich kann nicht mehr.

„..denn brauch ick aba vons Veterinäramt Lichtenberg ne Jenehmigung fürs Einfangen von Wirbeltieren.“

„Machense, Herr Rasenmäher, meine Genehmigung haben Sie schon mal, und nun legen Sie los.“

Black Sabbath ist bestimmt schon wieder weg, ich haste die Treppen hoch wie vom Kater angepisst und schleiche dann auf Zehenspitzenzum Balkon, wo Black Sabbath sich gerade mit Katzenschreck, Modell „Blackhawk 2006“, zu paaren versucht.

John Smith sitzt in der Badewanne und weint. Black Sabbath und ich starren uns an. Er starrt noch mehr als ich. Ich kann nur hoffen, dass er die Waschbär-Idee nicht aufgeschnappt hat und demnächst verkleidet hier ankommt. Er setzt zum Sprung an. An mir vorbei, durch die Wohnung in die Küche. Ha! Black Sabbath – got you! Das Küchendachklappfenster habe ich vorsorglich mit einem Schutzgitter Modell „Trixie“ vernagelt, wie auch alle anderen Fenster der Wohnung. (Seit meinem Einkauf dort steht „Trixie“s Börsengang nichts mehr im Wege.)

Ich nehme mir Zeit. Schließe die Balkontür hinter mir. Der kommt da nicht mehr raus. Und hier nicht mehr rein.

Yes! Your end, Black Sabbath!

Ein furchtbares Scheppern. Das Küchenfenster weit auf. „Trixie“-Katzengitter wie eine gerupfte Taube aus den Scharnieren gesprengt und auf dem Dach verteilt. Black Sabbath ist weg. Und noch was ist weg: dem ökologischen Hannes sein totaal schöner, handgetöpferter Zwiebelkrug. Ich schließe kurz die Augen. Steht der Krug nicht mehr dort, muss er runtergefallen sein. Öffne ich die Augen und sehe Scherben auf dem Boden – alles gut. Ich öffne die Augen, sehe keine Scherben auf dem Boden. Ergo: Krug ist runtergefallen. Ich spähe wie ein Häftling durch das Gitter meines Fensters. Krug nicht in der Dachrinne. Krug zwanzig Meter an der Hauswand runtergeschubbert und unten aufgeprallt. Auf Parkplatz 1. Dort steht ein Land Rover Sondermodell Defender „Experience Bolivien“ mit babypoglattpoliertem Autodach. Lehne mich noch weiter und sehe Udo Rasenmacher. Mit seinem Freizeithemd spielt der Sommerwind. Wäre er tot, würde er liegen. Aber er steht da wie tot. Ich kann sagen, das war nicht mein Krug. Aber der ökologische Hannes hat totaal liebevoll mit Streichholzkuppen meinen Vornamen in den Krugboden gestanzt. Und der Krugboden liegt auf dem Autodach wie ein Spiegelei.

… to be continued, I`m afraid.

DSC_0286

Black Sabbath – in action.

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