BLACK SABBATH, JOHN SMITH & Der Ökologische Hannes

Ich werde wahnsinnig.
John Smith sitzt auf gepackten Koffern. Er will gehen. Einfach so das Feld räumen. Nach 14 Jahren. Als er seine Fusselrolle in den Koffer quetscht, weiß ich, diesmal ist es ernst. Diesmal geht er wirklich.
Fahrig durchsuche ich die gefühlt 800 FB-Kommentare nach einer Lösung. Stoße auf einen Link.
Das ist es.

http://www.humanist-news.com/katzchen-stirbt-beinahe-nach-veganer-zwangsernahrung-durch-besitzer/

Auf dem Balkon gegenüber lehnt der ökologische Hannes wie immer um diese Uhrzeit über der Brüstung und telefoniert so lautstark mit seiner Mutter in Rodgau, dass sich das Telefon in seiner Hand eigentlich erübrigt hat. Der sommerliche Abendwind spielt mit meinem Stray-Cats-T-Shirt, während ich auf dem Klappstuhl stehe und Hannes wie ein Fluglotse zuwinke.
„Was iss los?“
Geschafft. Er hat mich erspäht.
„Hast du was Veganes?“
„Mit wem?“
Hä?
„Hä?“
„Was mit Anis?“
„Nee! Ob du was Veganes… Ach warte, ich komm rüber!“
Den ökologischen Hannes zu fragen, ob er was Veganes im Haus hat, war wie den Papst zu fragen, ob er katholisch ist. Also mache ich mich in meinen Hello-Kitty-Badelatschen auf den Weg.
Hannes empfängt mich im Regenbogenpyjama und hat da schon mal was vorbereitet.
„Weißt du, ich mach dir gleich mal ein totaal leckeres Kichererbsenküchlein.“
Ich behalte für mich, dass seine liebevoll zubereitete Speise zur veganen Zwangsernährung von Black Sabbath dienen soll, der sich hoffentlich dran totlachen wird.
„Danke, du bist ein echter Freund“, raune ich Hannes zu, schon auf dem Weg zum Balkon, von wo aus ich meinen super im Blick habe.
„Weißt du, ich war auf einem totaal schönen Klopfhüttenfest in Brandenburg. Ey du, wir haben da mit handgeschnitzten Drumstickstotaal schön getrommelt.“
Wahrscheinlich hat ihm einer dann damit auch etwas zu lange auf den Kopf gehauen, denke ich nur, bleibe prompt mit dem Badelatsch an einem totaal entspannten Ziegenfell hängen und schlage lang hin, fein die Dame, hat keiner gesehen. Ich rappel mich auf und sehe das Unglaubliche: Vor meinem elektronischen Katzenschreck, Modell „Blackhawk 2006“ wiegt sich Black Sabbath im Takt der Abschreckfrequenz. Ich fasse es nicht.
„Und zum Schluss haben wir einen totaal starken Energiekreis gebildet und all unsere handgeschnitzten Sticks ins Feuer geworfen. Und die Wärme und das Lodern, das war dann unsere totaal schöne Kreativität.“
Bei Hannes´ Schwelgen hatte das totaal leckere Kichererbsenküchlein zu schwelen begonnen und eignete sich bestenfalls noch zum Erschlagen von Black Sabbath.
„Du, ich muss auch schon wieder los, war totaal schön bei dir.“
Hannes blickt mir nur seelig lächelnd hinterher, während ich im maximalen Tempo, das in Badelatschen möglich ist, zurück in meine Wohnung schlappe.
Und jetzt kommt Udo Rasenmacher ins Spiel. Der Mann, dem in Sachen Hausmeisterei hier im Viertel keiner was vormacht. Er kann mit bloßer Hand Briefkastentüren geradebiegen und Vorhängeschlösser an Kellertüren auswechseln. Nur in zwei Punkten reagiert Udo Rasenmacher empfindlich: Wenn man sich über seinen Namen lustig macht (ich weiß nicht, ob er den Vor- oder Nachnamen meint, ich finde beide komisch), und über seinen Land Rover Sondermodell Defender „Experience Bolivien“ kichert, der in unser 30er-Zonen-Spielstraße so viel Sinn macht wie die Rallye Paris-Dakar mit Zwischenstopp in Alt-Rixdorf…

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Foto aus friedlichen Zeiten. John Smith beim Sichten des Plots zu meinem Berlin-Krimi. Lu et approuvé.

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