Vom Lotossitz zum Bischofssitz

Neulich beim Yoga wurden zu einem nicht unerheblichen Aufpreis ein paar politisch korrekte Positionen neu  in den Lehrplan gehievt. Der Bischofssitz war eine davon und fiel mir am schwersten, weil ich beim Verknoten Daumen und Zeigefinger zusammengepresst nach oben und dieses senile Grinsen beibehalten musste.

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Neulich im Buchstabenmuseum Berlin war richtig was los:

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Das N, das S und das A wurden zum Verhör abgeholt, das D drängelte gewaltig, um mit dem N und dem A den Test noch zu schaffen.

Währenddessen wartete das P geduldig auf das N auf das D, um mit ihnen zusammen verboten zu werden.

Was sich schwierig gestaltete, weil das P und das D nach deren Test zusammen mit dem S nach dessen Verhör noch zur Koalitionsverhandlung mit dem C, dem S und dem U hetzen mussten.

Das F hielt sich komplett raus, weil weder das D noch das P mit ihm spielen wollten.

Zum Prozess von Beate Zschäpe erschienen dann weder N noch S noch U, weil sie an diesem Tag bereits mehrfach gebucht waren und völlig zerzaust in den Seilschaften hingen.

Das Z konnte das D noch zu einem letzten Drink mit dem eingeschnappten F überreden und schaltete mit Hilfe des H, des D und des T noch das und U, das S und das A dazu, weil nun endlich gemeinsam über das G, das E und sehr selbstkritisch auch über das Z selbst hergezogen werden konnte, denn Folgendes hatte sich zugetragen: Obwohl sich Tom Hanks und Robbie Williams auf der „Wetten dass…?“-Couch neulich noch mehr als bei ihrer eigenen Arbeit langweilten, wurde die ZDF-Sendung in die USA verkauft. Als Werbeblog zwischen den Live-Tickern zu Kanzlerin Merkels Handy-Live-Chat.

„Hello Horst!“

„Wer sind Sie denn?“

„Let us speak english. Horst, then brauchen die Americans nicht erst Google-Transläte einzuswitchen, das bringt bei meinen intellectual Word-Spielen immer so much Verwirrung!“

„Maut!“

„Gesundheit, Horst!“

„MAUT!“

Kicherkicher am anderen Ende, ihr leichtes Erröten kann Dünengras-Horst nicht sehen, Live-Cam läuft nur auf ABC, CNN und Disney-Channel, und nix davon hat er an.

„Du meinst die von Harald? Wir beide? Harald und Maut?“

„Angelika!“ So nennt er das Mädchen, wenn es frech wird. „Reiß dich together! Ohne Maut goes bei mir gar nix!“

„Packst die Raute bei der Maute, na du hast es ja faustdick hinter den Grasbüscheln, Horsti!“

„Also hör mal, was hast du dir denn in die Mundwinkel gekippt?“

„Das ist easy explained: Joachim sitzt in seinem Labor… Siehst´s da? Live in Fernsehen!“

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„I hab die Glotze ned an, red weiter…“

„Und there he does his experiments. Er hat da so nette Reagenzgläser rumstehen, in denen er mir die Farbe des Sakkos zusammenmischt, das ich mir extra für die Kanzlerkrönung anfertigen lasse. Und für mich sah das aus wie Holundersaft…“

Kicherkicher und Horstis Räuspern.

„…und da hab ich mich mit aufgetunt.“

„Sag mal, willst du mich hier vor unseren american friends zum Horst machen? Und, listen mal, Angela, seit diese friends deine Raute zerhackt haben, woaßt scho, des Ding, in dem du immer dein Handy feststeckst, will i neben der MAUT a noch den Datenschutz in den Kopulationsvertrag aufnehmen. Autobahn bleibt Autobahn! Ob für Daten oder Dacia, der Ausländer zahlt und hat dabei nix abzuhören! Ja mei, wo kommer denn da hi?“

„Das WIE ist entscheidend, WIE kommer denn da hin? Das hat mich einer der 87 neuen Abgeordneten, die wir dem Wahlergebnis zu verdanken haben, kürzlich aufm Flur gefragt, als er statt beim NSU- aus Versehen beim NSA-Ausschuss gelandet war. Der hat mich noch nicht mal erkannt. Dabei hatte ich die Mundwinkel drin.“

„I muss the phone downputten, Angela, das gibt heute nix Vernünftiges mehr mit dir. Putz deinen Kürbis und denk an die MAUT, die du mir noch schuldest, dann wird das auch was mit uns.“

„Süßes oder Saures?“

„Genau, den Sauer kannst a von mir grüßen, er kann ja nix dafür. Happy Hallowiener,. bis glei.“

Angelas Kicherkicher versandet im Dünengras. Am anderen Ende knackt es. Horst hat aufgelegt. Dann knackt es noch mal. Obama hat aufgelegt und braucht dringend eine Gesundheitsreform.

Der alberne Spirit sei heute mal der Kürbissuppe geschuldet,

macht´ Euch alle hübsch da draußen, ich tu´s jetzt auch, nach dem Motto: So hässlich sehen wir uns nie wieder…

Spirit_Norrland. Ett eget land (c) Norrland. Ett eget land

Euer

Spirit of Kasimir

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Ireland IV

Waterville – „J.D. Salinger – The Catcher in the Rage” (Artikel in Deutsch: bitte scrollen)

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Here in Kerry, especially in the small seaside village of  Waterville, people relate the tale about Charly Chaplin´s exile, when calls, which were made for him to be deported, did bear fruits, like this one from Representative John E. Ranking of Mississippi in June 1947: “(Chaplin) has refused to become an American citizen. His very life in Hollywood is detrimental to the moral fabric of America. (If he is deported) … his loathsome pictures can be kept from before the eyes of the American youth. He should be deported and gotten rid of at once…”

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They say, that Waterville was Chaplin´s exile, which he had to endure during Hoover / Mc Carthy´s rule, because his wife´s Oona´s parents were Irish communists.

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Chaplin´s local pub in Waterville

But far away from that, just Oona´s father – Literature Nobel Prize Winner Eugene O´Neill – had parents from Ireland, Kilkenny. And as strict Catholics they were as close to communism as the Pope himself (maybe apart from Pope John Paul II, being at least Polish).

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Chaplin sculpture at the seaside of Waterville, facing his favorite local pub

Now our Catcher in the Rye – J.D. Salinger – comes into the game.

To write a biography of more than 10 pages  about this man is about as easy as to buy NSA´s How-to-do-booklet on Amazon: Salinger was well known of his disgust against any kind of presence in the media. Until his death in 2010 he had not published a line for 45 years. But his novel “The Catcher In The Rye” made him part of literary history.

Many biographers dashed against Salinger´s rough imagination of what he would call his private sphere. He prohibited reprints of his earlier short stories, cared for the elimination of all his correspondence, and pulled everybody to court, who dared to get too close to him or his family. The author Kenneth Slawenski finally succeeded in painstaking work to accomplish the remains of Salinger´s self-destruction.

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… and it is exactly here that I found the less political version of Chaplin´s expulsion from the USA:

Chaplin fell in love with Oona O`Neill, who was then Salinger´s love of his life, his muse, his reason to live. Oona was the role model for at least half of all female characters in Salinger´s stories. And she left Salinger from one day to the next for Chaplin. When they got married, she was 18, Chaplin was 54 years old.

Salinger was devastated. And in the few preserved documents he points out, that he didn´t give a dime on Oona´s relation to “the old man”, for everybody knew that the latter had relations to minor girls before Oona.

A livelong lasting marriage and 8 children later, nobody would ever again doubt their true love, but Salinger would never ever watch one of Chaplin´s movies and deleted that name from his vocabulary.

Chaplin spent his exile in Switzerland, he and Oona came to Waterville for holidays, for fishing and to be far away from any attention of the media.

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http://irishelectionliterature.wordpress.com/2013/06/20/1971-article-about-charlie-chaplin-and-his-family-holidaying-in-waterville-co-kerry/

(c) Irish Election Literature 1971

Many locals remember him strolling along the seafront promenade which runs along the centre of the village, his privacy always respected. One of Chaplin’s favourite pursuits while in Waterville was fishing on Lough Currane. His grandson Julien (a regular visitor to Waterville today) recounts a story of his grandfather having had a fruitless day on the lake, deciding to head to the fish shop in Caherciveen to buy some Salmon and return to the Butler Arms Hotel claiming that it was he who had caught them, an obvious indication that Chaplin was not only a comedian on screen, but also a bit of a joker in reality…

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I like the communist version of his stay here in Waterville and I will not contradict any local who is telling me the story again…

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Waterville – J.D.Salinger „Der Fänger in Wut“

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Hier in Kerry, speziell dem kleinen Küstenort Waterville, wird gemeinhin erzählt, Charles Chaplin habe sein Exil hier verbracht, als er unter Hoover / Mc Carthy in den USA zur unerwünschten Person erklärt wurde…

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… und man fügt noch hinzu, das habe wohl mit seiner irischen Frau Oona zu tun, deren Eltern irische Kommunisten waren.

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Chaplins Stammkneipe in Waterville

Tatsächlich war Oona so wenig irisch wie ihr Vater, Literaturnobelpreisträger Eugene O`Neill, lediglich dessen Eltern stammten aus Irland (Kilkenny), und als strenge Katholiken dem Kommunismus in etwa so wenig verdächtig wie es heute ein Josef Ackermann ist.

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Charly Chaplin-Skulptur am Strand, sein Blick auf seine Stammkneipe gerichtet

Und nun kommt J. D. Salinger – „Der Fänger im Roggen“ – ins Spiel.

Eine Biographie mit mehr als zehn Seiten über diesen Mann zu schreiben ist in etwa so einfach, wie das Handbuch der NSA käuflich zu erwerben: Salinger war für seine Abneigung gegen jede Art von Medienpräsenz berüchtigt. Bis zu seinem Tod 2010 hatte er seit 45 Jahren nichts mehr veröffentlicht, doch mit seinem Roman „Der Fänger im Roggen“ ist er für immer in die Literaturgeschichte eingegangen. Mehrere Biografen waren bereits an Salingers rabiater Vorstellung von Privatsphäre gescheitert. Er verhinderte, dass seine frühen Erzählungen nachgedruckt wurden, sorgte dafür, dass seine Korrespondenz vernichtet wurde und zog gegen jeden vor Gericht, der es wagte, ihm oder seiner Familie zu nahe zu treten.

Dem Autor Kenneth Slawenski gelang es nun tatsächlich, in mühevoller Kleinarbeit die Überreste dieser Selbstauslöschung zusammenzutragen…

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… und genau hier stieß ich auf die weniger politische Variante von Chaplins Ausweisung aus den USA:

Charly Chaplin verliebte sich in Oona O´Neill, damals Salingers Muse und Inspiration für nahezu sämtliche Protagonistinnen in seinen Shortstories. Oona wandte sich von heute auf morgen Chaplin zu, als sie heirateten war sie 18, er 54 Jahre alt.

Salinger war am Boden zerstört, betonte in den wenigen erhaltenen Dokumenten, dass dies nicht von Dauer sein würde, „der alte Mann“ habe schließlich schon vor Oona Verhältnisse zu minderjährigen Frauen gehabt.

Eine lebenslang bestehende Ehe und 8 gemeinsame Kinder später sprach kein Mensch mehr davon, doch Salinger schaute sich nie auch nur einen Chaplin-Film an und strich den Namen Chaplin aus seinem Vokabular.

Sein Exil verbrachte Chaplin allerdings in der Schweiz, hierher nach Waterville kamen Oona und er für ihren Urlaub, zum Fischen und um die Zeit jenseits jeglichen Presserummels zu genießen.

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http://irishelectionliterature.wordpress.com/2013/06/20/1971-article-about-charlie-chaplin-and-his-family-holidaying-in-waterville-co-kerry/

(c) Irish Election Literature 1971

Die Einwohner hier erinnern sich an ihn, wie er völlig ungestört die Strandpromenade entlang spazierte. Seine Leidenschaft gehörte dem Angeln, er verbrachte ganze Tage am Lough Currane. Hatte er mal nichts gefangen, fuhr Chaplin zum Fischgeschäft in Caherciveen, kaufte Lachs und brachte ihn ins Butler´s Arms, um ihn zubereiten zu lassen. Natürlich gab er den Fisch als selbst gefangenen aus.

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Ich mag die kommunistische Version von Chaplins Leben in Waterville und werde keinem Einheimischen widersprechen, der sie mir erneut erzählt…

Ireland III

Kerry – In The Name Of The Cow (Artikel in Deutsch: bitte scrollen)

It is the day of the Seanad & Court of Appeal Referendum in Ireland.

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But it is also Friday, payday, going-to-town-day,

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and after the vote it is definitely pubday.

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But it is also the day a calf on this farm here is due. The pregnant cow, the poor chappy, picked out the worst possible time of the year. They usually give birth around Easter to chubby, healthy, cuddly, beige-coloured calfs. Whenever we came here, mostly at Easter, we saw at least one cow giving birth to a calf that was named Emma, no matter if it was a boy-calf or a girl-calf.

But for it never rains but pours: The unfortunate cow expects twins. And it is definitely a no-vet-in-sight-day.

That reminds me of some years ago – when the boys came home over the weekend. They usually went to the pub after cutting peat.

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They did also that night, but not without getting the harsh reminder of their father: Stay near your mobiles. A calf is due tonight.

The next thing I remembered that night was the two coming home, falling into their beds (happy to have hit the bed and not the floor), and being called the same moment. Back into trousers, lumberjack shirts and wellies, they staggered through the rain and mud up the hill to the cowshed. The cow was ready, a wheelbarrow with straw in it prepared, when the father and his two drunk sons found out, that there was a big and healthy calf inside that cow, but also another one, apparently on the loser´s side already before the beginning of its life.

Ropes looped around the fragile hind legs of the first calf, the two boys leaned against the muddy wall of field stones, each one pushing one leg against the cow, they were slipping and falling one after the other, getting up and slipping again with their wellies on that slimy floor where the cow´s forewaters met the same cow´s dung. Father would stand in the corner, stuffing his pipe and smoking it and letting his sons do the work, for at least one of them was supposed to run that whole farm one day.

My first walk next morning led me up the hill to the shed. The father would tell me the story and how quickly his sons had become dead sober that night. Seeing the two calfs peacefully sleeping in the straw I asked him for their names.

“Well…”, he said, “there is no Emma amongst these girls I´m afraid. For one is Jack. And the other is Daniels.”

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So keep fingers crossed for our cow on the day of the Referendum. I already know the twins´ names, one will be “Yes” and one will be “No”.

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Kerry – Im Namen der Kuh

Es ist Wahltag in Irland. Das Referendum zu Senat und Oberstem Gerichtshof.

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Aber es ist auch Freitag, Zahltag, in-die-Stadt-geh-Tag.

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Und nach dem Besuch im Wahllokal ist definitive Pubtag.

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Aber es ist auch der Tag, an dem eine der Kühe hier auf der Farm kalben wird. Das arme Kerlchen hat den ungünstigsten Zeitpunkt überhaupt erwischt. Normalerweise kalben die Kühe hier um Ostern herum und lassen pralle, kuschlige, beigefarbene Kälber ins Stroh fallen. Wann immer wir hier waren, meistens zu Ostern, kam ein Kalb zur Welt, das Emma genannt wurde, egal, ob Junge oder Mädchen.

Aber weil ein Unglück selten allein kommt, erwartet unsere Kuh hier Zwillinge, und heute ist auch noch der Kein-Tierarzt-in-Sicht-Tag.

Das erinnert mich an einen Osterbesuch vor einigen Jahren: Die Jungs kamen für das Wochenende nach Hause. Nach dem Torfstechen gingen sie für gewöhnlich in den Pub.

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So auch in jener Nacht, allerdings nicht ohne den unmissverständlichen Hinweis ihres Vaters: Bleibt bei euren Handys. Die Kuh wirft heute Nacht.

Das Nächste, woran ich mich erinnere, ist das polternde Geräusch, mit dem beide in den frühen Morgenstunden in ihre Betten fielen, wobei mindestens einer sein Bett verfehlte und auf den Boden krachte, um dort ganz einfach weiterzuschlafen. Im selben Moment der Ruf des Vaters.

Wieder rein in die Klamotten, Lumberjack und Gummistiefel, und dann hügelaufwärts getorkelt zum Stall. Die Kuh war so weit, Schubkarre und Stroh standen bereit, als der Vater und seine beiden betrunkenen Söhne herausfanden, dass neben einem properen, wohlgenährten Kalb noch ein weiteres in der Kuh steckte, offenbar noch vor dem Beginn seines Erdenlebens auf die Verliererseite gedrängt.

Stricke um die zerbrechlichen Hinterläufe des ersten Kalbes, die aus der Kuh ragten, die beiden Jungs an der feuchten Wand aus Feldsteinen lehnend, sich mit je einem Bein gegen die Kuh stemmend, zogen sie wie Wolgatreidler mit aller Kraft am Strick. Die Sohlen ihrer Gummistiefel schlitterten durch Fruchtwasser und Kot auf dem Stallfußboden und ließen mal den einen, mal den anderen unsanft auf dem Boden landen. Der Vater währenddessen Pfeife rauchend im Eck, ließ sie die Arbeit machen, sollte doch schließlich mal einer der beiden Söhne die Farm übernehmen.

Mein erster Spaziergang am Morgen führte mich hügelaufwärts zum Stall. Der Vater erzählte mir von jener Nacht und wie schnell seine Jungs wieder stocknüchtern waren. Die beiden Kälbchen schliefen friedlich und ich fragte ihn nach ihren Namen.

„Sorry“, sagte er, „diesmal keine Emma unter den Mädchen. Denn eins ist Jack. Das andere Daniels.”

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Heute nun ist die Referendum-Kuh dran. Und ich weiß schon, welche Namen ihre Kälbchen tragen werden. Eins ist „Yes“. Das andere „No“.

Ireland II

Youghal (Artikel in Deutsch: bitte scrollen)

Berlin Schoenefeld – morning – 6 degrees Celsius – perfect hairdo.

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Dublin Airport – noon – 18 degrees Celsius – wrecked hairdo.

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(I left out my hairdo in this pic, just show the weather.)

Youghal Bus station – afternoon – 20 degrees and every single degree soaked in Irish rain – no hairdo at all = “arseways” = vocabulary from my friend Bernard´s “Irish Culture and Heritage Dictionary”. Wonderful time ahead for I am put back into 20th century: The raincoat on my first walk through Youghals Links Co-op (a project run by a clinic, helping people with therapys in art, gardening and much more) kept the rain away but allowed it to slip into the pocket where my mobile was waiting for needless messages from Germany.

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Back in the flat I noticed that the charger of my laptop did not fit the adapter I brought for Irish sockets. So nice time with face-to-face-talks at the table and a pen and a paper as notebook.

Irish people love talking about the weather (and I love to generalize), which is 90% rain ergo 90% nagging. Met Sinéad in the street who greeted me with “Howayu – bad weather these days”, I answered “O! I lovvit” and got “Willstaylikethatforthreeweeksnow” for my smiling comment. Leaving her with a hug and “And I look forward to it”, I felt that I did not really make her day.

I am sure that my drowned mobile was Sinéads revenge, for the “Jail Steps”, where we met, are said to be haunted.

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That narrow stepped passage, beside the Clock Gate, and the worn state of the stones underfoot have carried generations. But walking them downwards they lead to the Moby Dick´s Pub (Paddy Linehan´s), and – no, I am not talking about Herman Melville´s book now but about the unforgettable movie which was turned right there back in summer 1954. The owner Paddy Linehan was paid 5 Pounds per week by the film company for the use of two rooms upstairs. Stars like Gregory Peck and Orson Welles hurried up and down the stairs. And now it´s me who hurries up to get that picture, before the Irish Rain would also drown my camera.

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And with a chickenhearted glimpse to the Clock Gate, that former prison where people got executed by throwing them out of the window with a rope around their neck, I realize the truth of Herman Melville´s words, that there is no folly of the beast of the earth which is not infinitely outdone by the madness of men

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Youghal

Berlin Schönefeld – morgens – 6°C – die Frisur sitzt.

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Dublin Airport – mittags – 18°C – Frisur hinüber.

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(Auf diesem Bild lasse ich die Frisur weg, zeige nur das Wetter.)

Youghal Bus Station – nachmittags – 20°C und jedes einzelne Grad Celsius im irischen Regen ersoffen – Frisur völlig im Arsch = „arseways“ = Vokabel aus dem “Irish Culture and Heritage Dictionary”. Vor mir liegt eine wunderbare Zeit, denn von einer Minute zur anderen bin ich zurückversetzt ins 20. Jahrhundert: Auf dem ersten Spaziergang durch Youghals Links-Co-op (Klinik, in der unter anderem mit Kunst und Gartenarbeit therapiert wird) schützte mich ein knöchellanger Mantel, der den Regen abhielt, aber in die offene Jackentasche fließen ließ, in der mein Handy auf überflüssige Nachrichten aus Deutschland wartete.

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Zurück im Trockenen stelle ich fest, dass das Ladegerät meines Laptops nicht in den Adapter für irische Steckdosen passt. Wir haben also eine großartige Zeit mit Gesprächen am Tisch und Notizen, die ich mit einem Stift in der Hand auf Papier schreibe.

Die Iren lieben es, über das Wetter zu reden (und ich liebe es zu verallgemeinern), was zu 90% aus Regen und damit zu 90% aus Meckern besteht. Traf Sinéad auf der Straße, die mich mit einem liebevollen “Wiegehts – schlechtes Wetter heute”, begrüßte, worauf ich mit “Oh, ich liebe es!” antwortete und prompt ein „EswirdjetztdreiWochensobleiben“ erhielt, woraufhin ich mich mit einer festen Umarmung und „Ich kann´s kaum erwarten!“, von ihr verabschiedete und wahrscheinlich keinen guten Tag beschert habe. Ich bin mir sicher, dass mein abgesoffenes Handy, das ich erst später bemerkte, ihre Rache war, denn die Gasse, in der wir uns trafen, gilt als verhext.

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Diese enge Passage aus abgetretenen Stufen hat Generationen getragen. Der Weg hinunter führt zu Moby Dick´s Pub (Paddy Linehan´s), und – nein, ich spreche nicht von Herman Melvilles Buch, aber jenem unvergesslichen Film, der genau dort im Sommer 1954 gedreht wurde. Der Besitzer Paddy Linehan erhielt damals 5 Pfund pro Woche dafür, das ser die zwei oberhalb gelegenen Räume für die Dreharbeiten zur Verfügung stellte. Stars wie Gregory Peck und Orson Welles rannten die Stufen hoch und runter, und auch ich beeile mich, schnell noch auf das Bild zu kommen, bevor der Irische Regen auch meine Kamera ertränkt.

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Einen ängstlichen Blick später hinüber zum Clock House, wo man die Gefangenen hinrichtete, indem man sie mit einem Strick um den Hals aus dem Fenster warf,  scheint sich die Wahrheit aus Herman Melvilles Worten heraus zu pellen, dass es keine Torheit der Tiere auf Erden gibt, welche der Irrsinn der Menschen nicht unendlich weit übertrifft…

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