Ein männlicher Briefmark…

… erlebte was Schönes, bevor er klebte. Er wurde von einer Prinzessin beleckt. Da war die Liebe in ihm erweckt. Er wollte sie wiederküssen. Da hat er verreisen müssen….

Nur war es nicht die ringelnatz´sche Prinzessin, die den Briefmark beleckte, sondern Herr H. aus M. Und der ist auch wirklich nicht zu beneiden: Da verfasst er – ganz ohne es zu merken – einen Erpresserbrief an Peer Steinbrück. Logisch, denkt sich unsereins, das kann schon mal passieren. Aber dem Herrn H. aus M. widerfährt dann ein wirkliches Missgeschick: Der Brief rutscht ihm aus der Hand, ausgerechnet in einen passenden Umschlag hinein. Und dieser Umschlag wird dann auch noch von erwähntem, bereits beleckten Briefmark gestreift. Und obwohl auf dem Umschlag lediglich „An Peer Steinbrück“ sowie dessen Büroadresse steht, landet der Brief auf Steinbrücks Schreibtisch. Unfassbar!

Der Patient „Wahlkampf“ scheint plötzlich an eine Turboinfusion getackert zu sein, erwacht zum Leben und bekommt rotgrüne Backen. Schlief meinem Briefträger in den letzten Wochen noch regelmäßig der Arm ein beim Zustellen der Wahlbenachrichtigungen, springt er nun wie ein frischgebackenes Brötchen durch die Hauseingänge, immer ein fröhliches „Schaumer mal“ auf den Lippen, während draußen auf der Straße ein paar versprengte Piraten versuchen, ihr Logo schnell noch auf den SPD-und CDU-Plakaten unterzubringen.

Aber Peer ist noch nicht fertig: Kaum liegt die Putzfrau samt Erpresserbrief in der Ablage „P“, erscheint seine ganzseitige Wahlkampfansage auf der Titelseite des SZ-Magazins.

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Niemandem nimmt man das Zeigen eines Körperteils so übel wie Peer Steinbrück. Frau Merkel kann ihre Mundwinkel in jede Kamera hängen lassen, keinen stört´s. Ganz zu schweigen von Röslers spitzem Schnütchen oder Seehofers Dünengras-Perücke. Null comment on this. Kaum aber hebt „ons Peer“ einmal – auf Bitten der Redaktion – den Finger statt der Stimme, kommt er gleich aufs Titelblatt und in die Nachrichten. Dabei drückt seine nette Geste doch nur Eines aus: „Wenn ihr so weitermacht, werdet ihr eines Tages von den Sonstigen regiert.“

Sollten die „Sonstigen Parteien“ die Bundestagswahl am 22. September gewinnen, stellt die Partei der Nichtwähler den Bundeskanzler. Bei denen ist eine Legislaturperiode der Stimmungslage im Volk angepasst und entsprechend zwei Tage bis acht Wochen lang, da der Kanzler mit jedem Volksbegehren neu gewählt wird. Den Außenminister stellen die Bürger in WUT – BIW. Der wird erst mal dafür sorgen, dass die Verhandlungssprache von Den Haag bis zum Sitz der UNO Deutsch ist und wird nur die Länder besuchen, in denen er nicht befürchten muss, auf dem Rückflug gleich noch ein paar Flüchtlinge mit im Schlepptau zu haben. Der Innenminister kommt von den Violetten – für spirituelle Politik. Sämtliche Kundendaten im Internet werden dem Gesetz der Anziehung anheimgestellt und Emails fortan ins Universum gechannelt. Die Wirtschaftsministerin stellt die Feministische Partei Die Frauen, woraufhin Artikel wie Schuhe, Parfüm und Handtaschen schon mal von der Mehrwertsteuer befreit werden. Das Verkehrsministerium geht an die Bergpartei – die „ÜberPartei“, welche als erstes die Oberbaumbrücke Berlin für ganzjährige Gemüseschlachten sperren lässt. Die Rentner Partei Deutschland stellt den Gesundheitsminister, ihre Gesundheitsreform steht unter dem Motto „Auf ins letzte Drittel“, und jeder Rentenzahlung wird ein Sechserpack „Edelkirsch“ beigelegt.

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Die gemeine Schnapsdrossel.

Auf das Gesundheitsministerium kommt sowieso die größte Herausforderung von allen zu, wenn das in Warstein so weitergeht mit den Legionären, deren Keime nun auch in den Abwässern der Brauerei nachgewiesen wurden. Letztlich wird alles mit dem Chemie-Nobelpreis behoben, der in diesem Jahr an Assad geht, während sich Lawrow und Kerry um den Friedens-Nobelpreis prügeln.

Es sind die Männer jenes „letzten Drittels“, um die sich die aktuelle Tagespolitik zu drehen scheint:

Just am 10. Todestag von Johnny Cash verlässt uns der Engel von Berlin, Otto Sander, am Morgen darauf stürzt sich Erich Loest aus dem Fenster einer Leipziger Klinik, und nun macht Surround auch noch ohne Dolby weiter. Verlassen uns die Alten, müssen wir mit den Jungen weitermachen, aber wer braucht schon Snowden, wenn Cameron seinen Koffer mit Geheimdokumenten im Zug stehen lässt. (Damit auch der Unbescholtenste den Wert des Gepäckstücks erkennen konnte, stand groß und breit „Prime Minister“ drauf.)

Außerdem hat „Voyager 1“ mittlerweile unser Sonnensystem verlassen, ohne dass auch nur ein einziger Geheimdienst davon etwas mitbekommen hätte. An Bord läuft Musik von Glenn Gould und Chuck Berry…

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und die GEMA kann ihre Gebührenbescheid nun in der Milchstraße zustellen lassen. (Auch in Apple´s I Cloud sind die beiden nicht mehr zu finden.) Über dem Atomreaktor in Fukushima steigt mal wieder weißer Rauch auf, diesmal jedoch um mitzuteilen: Habemus Olympiadios! Verstrahlte Spiele 2020 in Tokio!

Und während Lawrow und Kerry als Variationen auf den Dalai Lama und Gandhi noch immer geheime Gespräche führen, zu denen weltweit jeder Geheimdienst jeweils einen Abgesandten geschickt hat, warte ich noch auf meine Wahlbenachrichtigung… Irgendwer hat meinen Briefkasten gehackt. Wahrscheinlich ein Pirat. Na, der soll sich hier nochmal blicken lassen. Ich leg mich schon mal Schmiere.

Alles Gute Euch da draußen,

Euer

Spirit Of Kasimir

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8 Kommentare zu “Ein männlicher Briefmark…

  1. Katja sagt:

    Chapeau, liebe Patricia, und danke für deine wunderbare Zusammenfassung und Kommentierung einer weiteren Gruselwoche. You made my day 🙂
    K.

      • Und wegen Tokyo. Was soll das? Du schreibst sonst so wunderbarl humorvoll. Und nun das! Hast Du was gegen strahlende Menschen?

      • Ach, lieber Jürgen, könnte ich es Dir nur besser erklären: Vielleicht warst Du nicht mehr in der DDR, als den Ukrainern Tschernobyl um die Ohren flog. Um das Reaktorthema wird in Japan seit 2011 genauso viel gelogen, wie man uns damals die Hucke vollgehauen hat. Und die Einzigen, die zur Vergabe der Spiele in Tokio strahlen, sind ja wohl mal wieder deren Funktionäre. Alles wie immer. Alles beim Alten. The big wheel turns.

  2. lenfred sagt:

    I like this! I saw recently a German TV program about Kleine Parteien quite a bundle!
    I personaly devote time to comment „Barcenasgate“ the Spanish corruption scandal in my FB page,
    Outcome election will be a German vote of FEAR or desire for a CHANGE?? Politicians not to trust
    anywhere! Political correctness is dangerous behaviour and a betrayal of voters!

    • That´s the point. Though nobody here really cares about the „Sonstige“ political partys, but to me it is important that they exist at all, that people committ themselves in politics, however small their „regular´s table“ is. (Though I feel less good about the ultra concervatist or even right forces that gather there as well. But their danger to German democracy is – hélas – limited.)
      Thank you, Lennart, I appreciate your comment.

  3. Na, Dünengrasperücke und See-Gras-, ‚tschuldigung Bast-rock von Herrn See-hofer müssen jetzt wohl noch eine Legislatur aushalten. Aber „dös is ja nurrrr von Oktoberfest zu Oktoberfest“ hat mich ein, in knarzendes schwarzes Leder verpackter Ingolstädter wissen lassen. Vielleicht habe ich ihn aber auch mißverstanden. Das kann der Fallsein bei Folsom. Denn es war laut auf dieser Fetischveranstaltung rund um die Schöneberger Fuggerstrasse und ich mußte sooo aufpassen, nicht in irgendwelche Sklaven zu treten, die da mit nicht viel Anzuziehen, außer etwa diesen alten Ost-Abwischbar-Lack-Tischdeckchen um Gemächt und Hals durch den Schöneberger Müll gezerrt wurden. So viel Menschenliebe, davor mußte ich mich erstmal retten und in die virtuelle Facebookwelt eintauchen. Doch selbst dort postete einer begeistert: „Ein Hauch von Leder liegt über der Stadt!“. Während das mit der Stadt (war ja schliesslich nur das Schöneberger Fetisch-Bermuda-Dreieck „betroffen“) über- so war das mit dem „Hauch“ untertrieben. Abgasschwaden hunderter Gerbereien stiegen mir in die Nase und das Todesmuhen tausender Kühe ins Ohr. Und warum. Nur für den Kick, den Augenblick? Da schnipple ich lieber aus der alten rotbraunen Lacktischdecke von Oma Halsband und Tanga, begebe mich auf allen Vieren ins Brandenburgische und zeige vor den – bald gar nicht mehr so glücklichen, weil potentiellen wiederkäuenden Lederspendern Demut.

    Doch halt! Gerade zieht sich das Lackhalsband schon um den Adamsapfel, als mein Blick auf ein weiteres „Post“ auf der selben Seite fällt. Einer von diesen Sprüchen, die auf das Lebensgefühl einer ganzen Generation zielen sollen: „Dieser Moment wenn man erst nach dem
    Klausur das Thema versteht…“ reblogged von der Seite „Ich hab dein Kommentar ruiniert“ (die Seite hat über 16000 Likes, das Pendant „Ich hab‘ Deinen Kommentar ruiniert“ geht mit O Likes leer aus).
    Irgendwann ist den Nutzern der Seite aufgefallen, dass an dem Spruch mit dem Klausur irgendwas komisch ist. Nur was? Heißt es vielleicht „nach das Klausur“ oder „nach die Klausur“? Der erste mit der richtigen Antwort wurde sofort ausgebuht: „nee klar das da etze die ganzen deutschlehrers komen“.
    Klar kommen die! Offensichtlich handelte es sich ja bei besagter Klausur (bei der man das Thema erst nach Abgabe versteht) um eine im Fach Deutsch. Und bei mir kamen sie auch! Die Erinnerungen an Frau Grünler, die mir an einem Tisch mit rotbrauner Abwischbar-Lackfolie gegenüber sitzt und geduldig den Genitiv erklärt. Immer wieder, bis die Lacktischdecke von den Einschlägen ihres Eheklunkers schon kleine Löcher aufwies.
    Da brach es aus mir heraus und in die Tastatur hinein: „Klar, kommen die blöden Besserwisser jetzt aus ihren trögen Langeweile-Ecken gekrochen, in denen Wörter noch zu Ende gelesen – und die richtigen Personalpronomen benutzt werden!!! Ist das nicht eklig!
    Eine Seite, die sich „Ich hab dein Kommentar ruiniert“ nennt, und damit schon mal mindestens zwei grammatikalische Fehler schon im Titel enthält (fehlender Apostroph nach „hab“ und fehlender Genitiv bei „dein“ – und das „dein-en“ würde dann eigentlich auch noch groß geschrieben – MannMannMann, mir wird auch schon grade ganz schlecht, nur allein vom Schreiben eines Wortes wie „Genitiv“ – echt voll eklig!), die muß sich doch treu bleiben, Menno! Stellt euch doch mal vor, die Sprüche (wie der mit die, ähhh, der Klausur würden da im korrekten Deutsch gepostet werden!
    Voll fett eklig! Die würde doch keiner mehr ernst nehmen.
    Und das ist voll anstrengend für die Macher der Seite. Das sind nämlich alles Deutschlehrer, die sich extra für ihr beknacktes Publikum auch noch dumm stellen! Ehhh, voll krass eklig!!!“
    Es war ein Befreiungsschlag gegen die Zeugen Seehofers, gegen den Ingolstädter Oktoberfestlegislaten und die Dummheit im Allgemeinen. Es war so befreiend, zu wissen: ich muss nicht auf Knien einen Gang nach Brandenburg an-rutschen, es reicht, wenn ich das Laptop öffne! Denn Rindviecher sind überall zu finden und näher, als man denkt!

    Meine liebe Patricia, ich habe mich sehr amüsiert bei der Vorstellung, dass wir zwei auf jeden Fall sofort nach Gesetzesänderung Schuhe und Handtaschen shoppen gehen werden! Außerdem hat es mich sehr inspiriert, die Augen offen zu halten und mein Wochenende mal zu kommentieren. Sorry, dass ich Dir mit meinem
    Erstversuch die Kommentarspalte zugetextet habe. WordPress ist der Meinung, dass sämtliche von mir für ein mögliches Blog erfundene Namen schon existieren. Ich kam einfach net nei, Du! Doch bis zum nächsten Kasimir hab‘ ich ’nen Blog, so glaube mir! Dein Gunnar

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