Erweiterter Infinitiv mit Kapuze

Der Spirit of Kasimir hat sich eine Pause gegönnt, um selbst unter die Autoren zu gehen. Dieses Experiment bin ich mit großer Freude angegangen, allein, um meinen zukünftigen Literaturkritikern zu zeigen, was eine Löschtaste ist. Am liebsten wären mir übrigens fünf Sterne bei Amazon mit der Bemerkung: „Habs nicht gelesen – fand´s trotzdem gut“…

(Mehr zu meiner spirituellen Entwicklung im Segment des kreativen Schreibens an dieser Stelle gleicher Welle, wenn es denn so weit ist, und das wird Anfang 2014 sein.)

Dem Begriff des Kreativen Schreibens geht die Kreativität verloren, weil sie so überflüssig geworden ist wie die Kaffee kochende und Cocnac kredenzende Sekretärin eines Firmenchefs in Zeiten von individuell eingestellter Espressomaschine, Alkoholabstinenz während der Arbeitszeit und Microsoft Outlook. Heute muss sich kein Lyriker mehr den Sud seiner Ergüsse zusammenreimen…

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… es genügt, wenn er Zeitung liest und bei SAT 1 in der ersten Reihe sitzt. Wenn dort die romantische Regalservicekraft Sarah dem rustikalen Zweimetermann Bernd und dem fröhlichen Gärtner Dirk aus Sachsen ihr Allerheiligstes zeigt, dann ist ihre Barbie-Sammlung gemeint – mit einem homosexuellen Barbie-Pärchen. Es ist wieder Sonntagnachmittag, und das sich von der Dortmund-Niederlage erholende Restvolk Berlins (die anderen feiern ja noch) guckt die Sendung „Schwer verliebt“ mit den Hüftgoldkandidaten.

Der fröhliche Gärtner Dirk aus Sachsen sieht seine Chance, die Art von Weltoffenheit zu zeigen, die man in Niederwürschnitz für eine hält: „Das wusste ich vorher auch nicht, dass Barbies auch schwul sein können wie Menschen, aber jetzt weiß ichs.“

Die romantische Regalservicekraft Sarah spürt so etwas wie eine stimmige Chemie zu Dirk, und ich habe sofort den schmirgelnden Bunsenbrenner mit rettungslos verkohltem Schwefelexperiment vor Augen und in der Nase, als sie sagt: „Obwohl der Ludwig ja erst mit der Jasmin verheiratet war, die hat ihn dann aber mit dem Andreas betrogen, und da hat er dann den Franz-Josef in der Fußgängerzone getroffen, hatte die Schnauze voll und ist schwul geworden.“

Na, dann ist diese Messe ja auch gelesen, und der rustikale Zweimetermann Bernd spielt irgendwie auch keine Rolle mehr. Der einzig passende Imbusschlüssel zum Herzen der romantischen Regalservicekraft Sarah wären jetzt zwei Freikarten zur soeben eröffneten Barbie-Dreamhouse-Experience®  in Berlin, Alexanderplatz, mit FASHION WORLD und der POP STAR STAGE, einem Radio-Frequency Identification-Armband sowie einen Softdrink im Barbie™ Café. Damit ließe sich der fröhliche Gärtner Dirk aus Sachsen wahrscheinlich ausstechen wie faul gewordener Spargel, aber, denkt sich der rustikale Zweimetermann Bernd, wer ist schon Sarah, wenn ich Barbie haben kann?

Also widmet er sich wieder seiner Studie aller 12 Töne des lettischen Handglockenchors, bis ihn Tine Wittler schließlich zu sich ins Messihaus lockt und Vera am Mittag ihn zu einem Bauern ohne Frau veredelt. Kein Wunder, dass die ersten Firmen Bildschirme so flach wie ein Blatt Papier entwickeln, die der Verflachung der Gesellschaft aufs Beste angepasst sind.

Beim Abtauchen in das Handwerk des „formerly known as kreativen“ Schreibens ist es ganz wichtig, die Konkurrenz zu beobachten. Und das sind die Perlen des unverlangt eingesandten Schriftgutes bei Allegria

Abb2_Allegria

„Ich habe über Jahre (seit 1994) versucht die Menschheit zu Warnen und eine Umkehr zu Erwirken! Ich habe auch an die Organisation von Ihnen Unterlagen geschickt, die von GOTT sind. Doch anscheinend war das kommerzielle Interesse größer als die BOTSCHAFT VON GOTT! Oder es wurde behindert. Ich habe nämlich NIE eine Antwort erhalten. Ich weiß bereits seit längerem, das in dem Film über die Geschichte vom GESETZ DER ANZIEHUNG in der deutschen Fassung die Unwahrheit gesagt wurde! Somit ist mein Vertrauen gestört. Hat Ihre Seele eine Agenda, die hier auf der Erde erfüllt werden muss? Dies widerspricht meines Erachtens dem „Freien Willen“ des Menschen, der oberste Priorität hat. Mein Buch wird das mit der Menschheit ausdiskutieren. In Erwartung Ihrer Antworten (oder werden Sie es auch wieder ignorieren?) verbleibe ich… mit freundlichen Grüßen… PS: Das in der Bibel angekündigte Armageddon wird wohl doch kommen, wenn sich die Menschheit nicht ändert. Darum betet bitte ohne Unterlass, damit gerettet werden kann, was sich retten lässt.“

  • Dank Stephen Hawking gibt es Schwarze Löcher, in denen ich so was direkt versenken kann.

 „Anfang der Geschichte … Minopause , Glück oder Wahnsinn (ein schweigen wird auf gedeckt) Haupfiguren – Chantal Schneider – Freundin: Violett Stamm – Freund Sebastian (bast) Mütze

Guten tag meine Name ist Chantal Schneider ich bin glückliche Lesbische Singelfrau, was sie jetzt erwarte muß ich vorab sagen ich sehe mich als Bodenständige..realistische Frau, mein Beruf Bankangestelte… die alles im Griff hat auch ihr Privat leben…“

  • Nach einem Tag der Lektüre unverlangt eingesandter Manuskripte stellte ich den eigenen Wunsch kreativen Schreibens hinten ran und widmete mich vorrangig der Buchverhinderung.

„Ich, Lena Schmollinger, bin eine 21-jährige Mutter einer 7 Monate alten Tochter aus Zella-Mehlis. Heute Mittag beim Füttern von Lisa ist mir auf einmal der folgende Reim eingefallen. Ich reime oft und viel einfach nur zum Spaß. Es kommen natürlich auch jeden Tag neue Reime dazu: Füttern ist nicht einerlei / So ein Brei der schmeckt der Mami auch / darum kommt er auch rein in deinen Bauch / Doch du mein Kind siehst das nicht immer so / aus dem Essen wird meist eine Show / Der Brei der ist jetzt überall / am besten gefällt er dir im freien Fall / Die Mami kommt mit dem Wegwischen nicht nach / da liegen manchmal schon die Nerven brach / Doch du mein Kind du lachst und quietschst vergnügt / weil das Baby ja eben zuhause über die Macht verfügt…“

  • Das zeigt mal wieder, dass sich der Begriff des „Kreativen Schreibens“ weit über Uli Hoeneß´ Steuererklärung hinaus bewegt und sich mittlerweile zu einer Form der Krankheitsbewältigung entwickelt hat.

Abb2a_Manuskripte

Quelle: New Yorker

Das komplette Organversagen der deutschen Behörden in der Aufklärung der NSU-Morde, deren Verurteilung aus der Los-Trommel gezogene Pressevertreter beiwohnen dürfen; Ilse Aigners Plan gegen Fleischbetrug, der Pferdefleisch vernichtet und damit Preise kreiert, die im gleichen Tempo wie der Butterberg wachsen; das Perpetuum Mobile von Talkshows der Jahre 2012 und 2013, zusammengehalten mit einer rostigen Fahrradkette aus Sarrazin – Wulff – Sexismus – Borussia gg Bayen München – Sarrazin – Wulff – Sexismus – Borussia…; Johnny K. der Schlagzeilen „macht“, in dem er sich am Alexanderplatz tottreten „lässt“… –  Krimiautoren können das ganze Jahr über Urlaub machen, weil sie nicht nur ihre Themen, sondern gleich die vorgefertigten Plots der Tagespresse entnehmen können. Und selbst das letzte Merkmal im ABC des Kreativen Schreibens ist bankrott, die Moral von der Geschichte nämlich. Im Rüstungsexportbericht der Bundesregierung werden riesige Waffenexporte der Firma Heckler & Koch nach Ägypten, Saudi-Arabien und in den Irak damit gerechtfertigt, dass die damit ja keinen Krieg führen sollen. Und Zigaretten werden nur gegen die Garantie verkauft, dass keiner sie raucht.

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Lesetipp zum Entwirren: Peter Scholl Latour DIE WELT AUS DEN FUGEN Propyläen 2012

Für das neue Landeszentrum für erneuerbare Energien (Leea) in Neustrelitz (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) wurde ein Wald gefällt. Die 60 Kiefern mussten weichen, um unter anderem eine bessere Sicht auf das architektonisch auffällige Gebäude an der viel befahrenen Bundesstraße 96 zu ermöglichen. Richtig so! Wech damit! Hier kommt was Nachhaltiges hin! – Hätte ich besser nicht erfinden können.

Hartmut Mehdorn will den Flughafen BER nun teilweise eröffnen. Es braucht nicht viel Kreativität, sich vorzustellen, wie umher irrende Singapur-Transitler mit ihren Rollkoffern statt im BER-„Terminal Fernost“ am Ostkreuz bei „Hacki´s Chinapfanne“ landen, nur weil sie den Teil des Flughafens erwischt haben, den Hartmut noch nicht eröffnet hat.

Ich stecke mein Notizbuch wieder ein, bestell mir noch ein Bier bei Hacki und kichere senil vor mich hin, als ich neben mir die Frage höre: „Wem seine Jacke gehört´n die?“

„Ich! Dem erweiterten Infinitiv mit Kapuze!“, sagt der schütterhaarige Typ am benachbarten Stehtisch, den ich die ganze Zeit schon für einen Autor gehalten habe und dessen Wunsch an Inspiration soeben übererfüllt wurde.

Bleibt mir gewogen und – schreibt! Das könnt ihr auch!, meint Euer

                                                                                                                     Spirit Of Kasimir

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Leserstimme ZWEISIEDLER

Das sind die wirklich schönen Momente für einen Autor, wenn der Leser ihm oder ihr das Geschenk seiner Meinung mitgibt und das Buch von der ersten bis zur letzten Zeile gelesen und „gefressen“ hat, ich muss das teilen, ich bin berührt und dankbar.

Leserstimme zu Patricia Holland Moritz „Zweisiedler“

von

Markus Gunti

www.africanarts.de

Die Zweisiedler haben mich von der ersten Seite her in den Bann gezogen…. konnte die Geschichte nicht verlassen bis zum Schluss. (und jetzt steh ich von der Geschichte verlassen da…. wie ein begossener Pudel) Kein Kriminalroman… ein Roman über Leben und Tod…. über die Welt ….. über Hoffnung und die Weigerung zu verzweifeln…. über Selberdenker und ihre eigene Moral. Ja, es gibt auch das Verbrechen…. weil es in jedem Leben Verbrechen gibt, entdeckte und unentdeckte.

Komplexe Persönlichkeiten, die mit dem „Werkzeug der Weisheit“ das Unabänderliche bewältigen. Keiner plant so richtig …. der Fluss des Lebens beschenkt, beraubt, verbindet und trennt die Protagonisten. (der unheimlichste Charakter ist Paul…. eine Metapher)

Ich bin begeistert und leide unter Entzug…. ausgespuckt von einer Geschichte die einige Tage ein „Ort“ war… in dem ich zu Gast sein durfte.

Ich habe kein Wort „liegen gelassen“.

Wie viel Arbeit, eine solche Geschichte zu schreiben ….und wie schnell ist sie gelesen.

Dankeschön Patricia.

zweisiedler

481.801 Zeichen inklusive Leerzeichen…

… so heißt die Zauberziffer, die sich bei mir über 75.623 Wörter und auf 212 Normseiten verteilt.

Mein Berlin-Krimi ist fertig. Jetzt und hier gebe ich ihn an den Verlag. Nun muss das Kind laufen lernen.

Und mir fällt beim Gedanken an das Urteil meiner Lektorin natürlich nichts Besseres ein als der Witz meines Lieblingscartoonisten OL:

Ich habe Ihr Manuskript nicht gelesen, aber wir würden den Titel gern als Kalenderspruch verwenden.“

Sollte der Kalenderspruch zum Buch mutieren, dann gibts das Anfang 2014 beim Gmeiner Verlag.

Und ich kehre ins normale Leben zurück und versuche, all die guten Freunde wieder einzusammeln, die während meiner Schreibabstinenz auf der Strecke geblieben sind…

Auf bald wieder hier,

gleiche Stelle,

gleiche Welle,

Patricia Holland Moritz

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