Spenderlaune

Deutschland ist in Spenderlaune. NEIN, jetzt kommt kein biergeschwängerter Stammtisch-Auswurf zur so genannten €uro-Krise. Das braucht es gar nicht, denn Horst Seehofer will demnächst in Sachen politischer Zukunft der Europäischen Union sowieso das Volk befragen, und dann kann wirklich jeder Dödel, dem seit der Abschaffung der Dehmark Geld im Beutel fehlt (und der es auch noch nicht wieder mit Arbeiten versucht hat) seinen Bautzner Senf dazu geben. Ich rede vom Organe spenden.

Da sind die Leute nun schon mal bereit, nicht nur ihr letztes Hemd, sondern im Zweifel auch ihre letzte Niere zu geben, und dann so was: Organspendeskandal in den Unikliniken von Göttingen und Regensburg. Ich schleppe meinen O-Spender-Ausweis schon seit Jahren mit mir herum, um genau zu sein, seit jenem bewusstseinserweiternden Tag bei einem Berliner Kinderarzt. Dort hockte ich mit dem Zahnlückenjohnny, der heute meine ziemlich ausgewachsene Tochter ist, und da, wo normalerweise zerfledderte Kinderbücher und speckige GALAs herumliegen, war der Tisch voller orangeblauer Pappen: Organspenderausweise. Zum Ausfüllen bereit gelegt. Mehr aus Langeweile übte sich meine Tochter darin in Schönschrift und notierte: „Hertz, Miltz, Lunge; Rest auf Nachfrahge.“ Mein Mutterherz kam arg ins Schlottern damals und war so gar nicht in Spenderlaune beim Anblick dieser Anweisungen. Dafür findet die Große die Mauschelei mit den Organen heute umso mehr zum Übergeben, was dann wiederum zu einer recht unbrauchbaren Spende führen könnte. Aber mit nur einem Messer in der Brust geht keiner von uns heim, deshalb bleibt der O-Spender-Ausweis schön im Portemonnaie, wo er hingehört, da ich fest davon ausgehe, dass die überführten Ärzte nun selbst einen solchen ausfüllen und in ihren Gefängniszellen gesund leben müssen, damit der potentielle Empfänger der Spende auch etwas davon hat.

Den Umfang eines Organspender-Ausweises hat angeblich auch das kleinste Buch der Welt: das Buch des deutschen Humors. Diese hanebüchene Ansage wird seit Maddin „Mach ma Hals lang“ Ullstein Tb und im kommenden Jahr spätestens mit dem neuen Dietmar Wischmeyer – alle doof, bis auf ich“ Ullstein Tb (März 2013)

zwar immer wieder ad absurdum geführt, dennoch hält sie sich wie Fliegenschiss auf Autolack im Hochsommer. Dabei genügt doch ein Blick auf den Unterhaltungskalender Deutschlands (nein, hier ist NICHT das TV-Programm gemeint): Unser Land wird gerockt von Gauklerfestivals, Kabarettfestivals, Kleinkunstfestivals, Comedyfestivals, Gag-Schreibseminaren, Clownakademien mit Clownlehrgängen (Fortbildung Clown, Clowning, Clownpädagogik), Figurentheaterfestivals, Regieworkshops für Bauchredner… Da fällt mir ein ulkiges Urteil ein: Ein potentieller Gattenmörder konnte nicht des Mordes an seiner Frau überführt werden, obwohl er im Selbstgespräch den Mord gestanden hatte. Stellt sich die Frage: Führt ein Bauchredner Selbstgespräche? Im selben Prozess wurde festgehalten, dass ein Gebet kein Selbstgespräch, sondern „Kommunikation“ sei. Zählt dazu auch das Stoßgebet, was nicht selten in Worte gepackter Wunsch nach einer blutigen Abrechnung ist?

Bei diesem Tourneeplan des deutschen Humors jedenfalls lande ich unwillkürlich wieder in meiner beliebten Rubrik: „Wir basteln uns eine Geschäftsidee“. Zum Beispiel hätte ich große Lust, zu einem „Kongress der multiplen Persönlichkeiten“ zu laden. Eine logistische Herausforderung, schon allein, was die Anzahl der Teilnehmer betrifft. Das ginge ja schon bei mir los: Ich zum Beispiel würde mich drei Mal anmelden:

  1. als Kate Middleton

Denn seitdem ich während der Olympics in London versucht habe, den Weitsprung-Olympiasieg Greg Rutherfords von 8,31m bei uns im Garten nachzustellen (ich hatte nicht bemerkt, dass mein Nachbar sein Gewächshaus hinter der Hecke nun doch schon gebaut hatte, nachdem er zwei Jahre lang nur davon gefaselt hatte und bin natürlich voll reingebeutelt), habe ich das Brit-Fieber und fühle mich wie Her Royal Highness Catherine Elizabeth, Duchess of Cambridge, Countess of Strathearn, Baroness Carrickfergus,

  1. als Patricia Kasimir, die als Allegrianerin auch gern mal ein ernsthafteres Thema durchleuchtet, wie das der Yoga-Kriegerin Ana T. Forrest und ihres gleichnamigen Buches, in dem Ana Forrest ihre Kindheit beschreibt (wie sie Charles Dickens nicht düsterer hätte zeichnen können) und ihren Weg zum Forrest ®-Yoga, welches sie auch mit behinderten Menschen trainiert. Das komplette Interview und Infos zum Buch finden Sie hier im Blog unter „New Bits On The Blog“

und

  1. als Patricia Holland Moritz, die gerade einen Roman geschrieben hat, der „Zweisiedler“ heißt und in Frankreich spielt. (BoD ISBN 978-3848211517) – hier zu finden in der Rubrik „Patricia Bücher“

Einer meiner Ehrengäste auf dem „Kongress der multiplen Persönlichkeiten“ wäre Klaus Wowereit. Er ist zum einen Regierender Bürgermeister von Berlin und zum anderen Aufsichtsratschef unseres Flughafenspektakels. (Dieses ließe sich für den Anlass sicher auch gewinnbringend in eine Operette metamorphisieren.) Damit er auf der Bühne nicht allzu verloren dasteht, würde ich ihm noch den Rapper Bushido an die Seite packen, der vor kurzem noch scharf auf Wowereits Posten war, fragt sich, ob sich Bushido im Roten Rathaus oder im Tower von Schönefeld sah, als er seine Bürgermeisterambitionen in die Welt rappte. Der Tower geriert nämlich gerade wie sein Namensvetter in London zu einer Hinrichtungsstätte. Haben doch schon diverse Geschäftsführer, Architekten und Flughafenchefs in Schönefeld ihren Kopf verloren. Bushido wollte sich zudem Moritz Bleibtreu, Dieter Bohlen und Boris Becker mit in den Senat holen. Das wäre es dann gewesen mit der Hauptstadt. Und Freudsche Versprecher wären dann auch keine mehr, von wegen… „Wir haben soeben unsere Reiseflughöhe vergessen“

Gleichnamiges  Buch zur abgesagten Eröffnung ist im Gegensatz zum „Flughafen Berlin-Brandenburg“ pünktlich erschienen, nämlich im Juli 2012 bei ullstein extra.

Die Brücke vom Finanzdesaster Flughafen zum Thema „Spenden“ ist schnell geschlagen, und so beginnt und endet diese Kolumne damit:

In Spenderlaune war nämlich auch unser Allegria-Autor Marc Daniels. Mit dem Verteilen von sage und schreibe 35.000 Sonnenblumen-Samentütchen (eine Spendenempfängerin siehe oben) hat dieser Mann, den ich aus vollstem Herzen anerkennend  und auch auf jeder Vertreterkonferenz unseren „verrückten Peace-Seeder“ nenne, eine Friedensinitiative losgetreten, die es nun auch bis ins Weiße Haus geschafft hat: http://www.focus.de/panorama/diverses/hilfsorganisation-kinder-aus-aller-welt-sollen-am-28-august-eine-e-mail-an-praesident-obama-senden_aid_803102.html

Sein Buch „Der Himmelsgarten“ hatte die Blumenlawine zum Blühen  gebracht

und wird im Januar 2013 folgerichtig im Samentüten-Outfit als Taschenbuch erscheinen.

Neben Organen und Blumensamen lassen sich übrigens auch Trost und Freude spenden, und ich werde mir jetzt ein gepflegtes Feierabendgetränk spenden in Vorfreude auf ein baldiges Wiedersehen mit Ihnen und Euch hier an dieser Stelle, sehr herzlich,

  The Spirit Of Kasimir

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